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"derZensor"

"derZensor"

11.07.2018 20:53

Das am 1. Januar 2018 in Deutschland in Kraft getretene Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) hat zu einer Flut von Aktivitäten seitens der Social-Media-Betreiber geführt und eine neue Klasse von Denunzianten erzeugt, die sogenannte „hate speech“ den Betreibern melden, oftmals, um damit gegen politische Gegner vorzugehen – dazu und zu den verfassungsrechtlichen Aspekten hat Joachim Steinhöfel im Rahmen seines verdienstvollen Kampfes für unsere Verfassung hier auf der Achse und anderswo wichtiges geschrieben.
Die Social-Media-Betreiber löschen massenhaft Beiträge und sperren Nutzer, einige aufgrund von Entscheidungen ihrer Prekariatsmitarbeiter von der Löschabteilung, einige auf die Meldung von Denunzianten hin, doch das Gros davon höchstwahrscheinlich mit Hilfe von Algorithmen: Zensurautomaten.
Solche Automaten laufen – anders als bei uns ohne Rechtsgrundlage, allein aufgrund des Willens ihrer Betreiber (weiter unten sehen wir, warum) – auch in den USA. Einer davon hat letzte Woche, wie von achgut.com berichtet wurde, die 1776 in Philadelphia veröffentliche Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, das erste historische Zeugnis moderner Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, als „hate speech“ klassifiziert, weil darin die Passage „merciless Indian savages“ vorkommt. Dieses lächerliche und gleichzeitig irgendwie alarmierende Ereignis wirft, abgesehen davon, dass es absolut falsch ist, diese Automaten überhaupt einzusetzen, folgende Fragen auf: Wie funktionieren die Zensurautomaten? Was sagt das über ihre Nutzer? Wie geht es nun weiter?
Zensurautomaten verstehen die Texte, die sie verarbeiten, nicht. Die neusten Automaten werden mit Hilfe extrem komplexer Wahrscheinlichkeitsmodelle betrieben, sogenannter „deep neural networks“ (dNN, mit der Funktionsweise von Neuronen habe diese Gleichungen allerdings gar nichts zu tun, der Name zeugt von Hybris). Diese Modelle berechnen auf der Grundlage menschlicher Beurteilung von Texten aus der Vergangenheit die Wahrscheinlichkeit, dass ein neuer Text „hate speech“ enthält. dNN sind riesige differenzierbare Gleichungen, die als datenabhängige Optimierungsvorschrift wirken. (von Johannes Eisleben)
"Gedanken sind mächtiger als Waffen. Wir erlauben es unseren Bürgern nicht, Waffen zu führen – warum sollten wir es ihnen erlauben, selbständig zu denken?" (Joseph Stalin)
„Das System entlarvt sich selbst. Persönlich sage ich nichts und behaupte nichts…“(rjh)
(rjhCD6149)


Zensurautomaten sind nichts als Hochstapelei - Diese Fähigkeiten der Modelle sind miserabel

Man erzeugt damit Wahrscheinlichkeitsmodelle, indem man mit Hilfe iterativer Optimierungsverfahren einen Klassifikator erzeugt, der die Texte in „hate“ und „non-hate“ einteilt. Um den Klassifikator zu generieren (man nennt das „training“), gibt man dem Algorithmus möglichst viele sogenannte Trainingstupel, das sind Paare von Text und der dazu gehörigen von Menschen (Annotatoren) angefertigten Textbeurteilung von Texten aus Korpora sozialer Medien, wie beispielsweise von Twitter; man nennt dies auch annotierte Texte.
Die Qualität der Klassifikation hängt von vielen Faktoren ab, doch die wichtigsten sind: Menge der Trainingstupel, Qualität der Trainingstupel und Fähigkeit des Modells, die Zusammenhänge, die „hate speech“ ausmachen, zu detektieren. Diese Fähigkeit ist heute miserabel, wie dieses Paper – dessen Autoren sich nebenbei gesagt auf widerwärtige Weise der heutigen Herrschaftsideologie anbiedern – zeigt. Warum ist das so?
Erstens hat man bei weitem nicht genug Trainingstupel, um die dNN damit wirksam zu trainieren, der zitierte Artikel nutzt je nach Experiment lediglich 2.500 bis 25.000 annotierte Datensätze. Ernsthaftes Training von dNN benötigt mindesten hunderte Millionen, eher aber Milliarden von Tupeln. Zweitens ist die Qualität der Trainingstupel gering. Hohe Qualität besteht dann, wenn nachgewiesen werden kann, dass mehrere Annotatoren die gleiche Annotation vornehmen (hohe Interrater-Reliabilität), was extrem aufwendig und teuer ist. Annotieren unterschiedliche Annotatoren ähnliche oder gleiche Texte verschieden, entsteht Rauschen, aus dem kein wirkungsvolles Wahrscheinlichkeitsmodell trainiert werden kann.
Weil niemand ernsthaft definieren kann, was im objektiven Sinne „hate speech“ ist, da es sich bei diesem Begriff um einen politischen Kampfbegriff handelt, der im hermeneutischen Sinne gar nicht wahrheitsfähig ist, ist es absolut unmöglich, hinsichtlich dieser Annotation eine hohe Interrater-Reliabilität zu erreichen: Das Annotationsansinnen an sich ist sinnlos!

30 bis 60 Prozent Fehklassifikationen
Die Annotation ergeben – anders als beispielsweise hochwertige UNO-Übersetzungen, die als Trainingsmaterial für dNN-Übersetzungsautomaten wie diesen hier genutzt werden, gar keinen brauchbaren Standard. Drittens sind die heutigen dNN gar nicht in der Lage, den Sinn von Sprache mathematisch abzubilden, sondern der mathematische Raum, in den sie die Sprache abbilden, kann nur die Gestalt der Sprache (Morphologie) und einen Teil ihrer Syntax abbilden. Dies wirkt lediglich wie eine verbesserte Schlagwortsuche.
Deswegen erzeugen die dNN viele falsch Positive, wie etwa diese Wendung: „I’m a piece of white trash I say it proudly“, die fälschlicherweise als „hate speech“ klassifiziert wird, während „expecting gender equality is the same as genocide“ im Gegensatz zur humanen Annotation nicht als „hate“ erkannt wird, weil im morpho-syntaktischen Raum des Klassifikators der Vergleich, der hier den Stein des Anstoßes bildet, nicht abgebildet wird (beide Beispiele aus dem oben zitierten Paper).
Insgesamt werden von 100 Texten nach Angaben des Papers je nach Korpus 30 bis 60 Prozent der Texte fehlklassifiziert, nämlich anders als durch die humanen Annotatoren; diese Quote ist im Vergleich zu anderen Entscheidungsautomaten absolut erbärmlich. Mit anderen Worten: Die Zensurautomaten werden mit Datenmüll trainiert und erzeugen noch schlechteren Output-Müll (garbage in, garbage out). Selbstverständlich wissen das die Top-Manager von Social-Media-Unternehmen wir Twitter, Facebook oder Google, den überall sitzen im Vorstand Mathematiker und Informatiker, die die Verfahren gut genug kennen. Dennoch setzen sie diese ein. Warum?
Marc Zuckerberg näht des Kaisers neue Kleider

Die Social-Media-Manager wollen selbstverständlich nicht gegen „hate speech“ kämpfen, ihnen ist diese auch egal, denn sie stört ihr Geschäft, das im Anzeigen mehr oder minder personalisierter Werbung besteht, nicht – möglicherweise befördert sie es sogar, wenn die entsprechende Beiträge viele Leser haben. Sie wissen auch, dass sie das mit den Mitteln der heutigen Algorithmen gar nicht können (jedoch vielleicht in Zukunft, siehe unten). Leute wie Marc Zuckerberg tun es, um den pseudoliberalen Machthabern zu gefallen und ein gefälliges Handeln zu simulieren – ähnlich wie die Schneider, die des Kaisers neue Kleider „nähen“. Denn sie fürchten eine politische Einschränkung ihres Geschäftsmodells, wenn sie nicht den Anschein von Tätigkeit erwecken.
Deswegen zensieren sie in den USA auch freiwillig, ein NetzDG wurde dort gar nicht erst benötigt – weil die gesellschaftliche Macht der Political Correctness dort so hoch ist, dass sie keines Gesetzes mehr zu ihrer Durchsetzung bedarf. Das Ziel der Political Correctness ist die Unterdrückung von Meinungen, die die eigene Herrschaft gefährden. Nur darum geht es beim „Kampf gegen Hate Speech“ und „Kampf gegen rechts“: Berufspolitiker von CDU/CSU, SPD, Grünen, PDS und FDP, von denen viele gar nicht dazu in der Lage sind, ihr Leben anders zu verdienen als durch Parlamentarier-Diäten, parteivermittelte Ämter oder Stiftungsstellen (dazu hat Hans Herbert von Arnim alles nötige gesagt), fürchten um den massenhaften Jobverlust durch freie Wahlen. Um diesen abzuwehren, ohne die eigene politische Ausrichtung aufzugeben, wird die Meinungsfreiheit angegriffen.
Der Kampf der Eliten gegen die grundlegende Freiheit der Meinungsäußerung wird weitergehen. Dabei wird selbstverständlich übergangen, dass es wirkungsvolle Möglichkeiten gibt, freie Rede und Kommunikation, die zu weit geht (Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung, StGB §§185-187 sowie Kunsturheberrechtsgesetz §23(2), der die Verbreitung von Bildern untersagt, die berechtigte Interessen des Abgebildeten verletzen) zu betrafen. Eine Aufhebung der Anonymität in sozialen Medien würde daher schon reichen, all dies zu verhindern. Doch das reicht dem Establishment nicht: Beleidigungen und verwandte interessieren sie in Wirklichkeit nicht im geringsten, Sie wollen ja vielmehr Alternativmeinungen unterdrücken und weiter die öffentliche Meinung kontrollieren.
Dass dies immer noch funktioniert, sieht man an den Wahlergebnissen in Frankreich und Deutschland 2017 sowie den Umfragewerten in Deutschland, bei denen etablierte Parteien immer noch, trotz der weiblichen oder jüdischen Opfer der Migrantengewalt und den offensichtlichen Folgen des staatlichen Überkonsums bei gleichzeitigem manifesten Investitionsdefizit in Infrastruktur, Sicherheit und Bildung mehr als 80 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen.
Unterdessen wird massiv in bessere Sprachtechnologie investiert, da dies der Schlüssel zum Bau wirksamer Automaten ist, nicht nur im Zensurbereich. In den nächsten 5 bis 10 Jahren werden sich Technologie verbreiten, mit deren Hilfe man zumindest in ausgewählten Sprachbereichen unerwünschte Rede zuverlässig finden und unterdrücken kann, auch subtile, anspruchsvolle Texte.
Greift der Staat zu diesem Mittel und wendet es auch diesseits der social media an, wird spätestens dann die Gegenöffentlichkeit in den digitalen Untergrund getrieben. Doch noch ist es nicht so weit, die die Freiheit hassenden Pseudoliberalen bilden nur eine Minderheit von unter 25 Prozent der Bevölkerung, und die Macht ihrer Repräsentanten ist beschränkt und immer noch abwählbar.

Quelle: "Zensur-Kontrolle"
Bei Aufnahme von Illegalen: Brüssel lobt 400 Euro Prämie pro Fachkraft aus (von Niki Vogt)

Da sich immer mehr Länder wehren, Heerscharen an illegalen Asylforderern aufzunehmen, hat man sich in Brüssel nun überlegt, wie man Anreize dafür schaffen kann. Und weil Geld immer zieht, sollen die EU-Staaten, welche sich bereit erklären, Massen an Raketenwissenschaftlern und Atomphysikern aufzunehmen, nun mit 400 Euro pro Facharbeiter belohnt werden.
Die EU-Kommission, die seit Jahren die unkontrollierte Zuwanderung nach Kräften befördert, sieht sich mehr und mehr brettharter Ablehnung von immer mehr Mitgliedsstaaten gegenüber. Die Visegrád-Länder sind schon lange auf Verweigerung gegangen, Italien, Malta und Spanien haben nun auch klar kommuniziert, dass nichts mehr geht, Österreich macht die Grenzen dicht, Macron hat bereits vor den arabisch-muslimischen Gebieten in seinem Land kapituliert, in Dänemark und Schweden werden harte Maßnahmen gegen die Parallelgesellschaften ergriffen. Überall sind EU-Skeptische Parteien und Regierungen auf dem Vormarsch.
Aber nun – ein Donnerschlag! – hat jene EU-Kommission den gordischen Knoten durchschlagen. Sie hat ein Kopfgeld für die Aufnahme von Flüchtlingen ausgelobt. Satte Vierhundert Euro (!) soll es pro Flüchtling und Jahr geben. Das ist dem Entwurf der gemeinsamen Strukturfondsverordnung zu entnehmen, schreibt die „Welt“, die es wiederum aus der „Rheinischen Post“ haben will, aber nicht in der Lage ist, den richtigen Link zu setzen. Der üppige Geldsegen für die aufnahmewilligen Länder wird aber, laut „Welt“ noch ein ganzkleinwenig auf sich warten lassen. Diese Strukturhilfe werde nämlich gemeinsam mit dem Finanzrahmen 2021-2027 vom EU-Parlament und EU-Rat verabschiedet werden. Diesen Betrag könnten die Länder für den „Bevölkerungsanteil an Nettozuwanderung von außerhalb der EU seit 1. Januar 2013“ erhalten, steht’s in der Verordnung.
Natürlich wird das erfreut begrüßt. Von deutscher Seite aus von Markus Pieper, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Gruppe in der EVP-Fraktion des EU-Parlaments. Und er sagt dazu folgende wohlgesetzte, höchst erhellende Worte (Trommelwirbel …) : „Die Aufnahme von Migranten und entsprechende Integrationsarbeit ist ein sehr wichtiges Kriterium in der Förderkulisse. Das ist gewissermaßen ein goldener Zügel, um mehr Problembewusstsein zu schaffen. Auch vor dem Hintergrund, dass sich ein Zwang zur Aufnahme von Flüchtlingen ohnehin nicht durchsetzen lässt.“
Haben Sie das verstanden, lieber Leser? Oder fragen Sie sich, was, um Himmelswillen, denn eine „Förderkulisse“ ist? Hmmmm … Kulissen sind ja etwas, das man für ein aufzuführendes Schauspiel aufbaut, um eine glaubhafte Täuschung zu inszenieren, die für den Sinn und Zweck des Schauspiels nötig ist, damit es funktioniert. Aber es ist alles nur Schein und Trug. Damit ist schon mal klar, worum es hier wirklich geht.
Der „goldene Zügel“ … offenbar ist das die Belohnung von 400 Euro pro Flüchtling pro Jahr. Mit einem Zügel lenkt man ein Pferd nämlich dahin, wo man selbst hin will und nicht, wohin das Pferd will. Ist bekannt. Und wenn der Zügel golden ist, wird das Pferd offenbar gelockt zu etwas, was es eigentlich nicht machen will. Wenn aber das Pferd trotzdem nicht gehorcht, dann kann man es an seinem Zügel auch recht grob in die gewünschte Richtung ziehen, weil das Zerren dem Tier Schmerzen bereitet. Dann bekommt es das erwähnte „Problembewusstsein“. Auch klar?
Der letzte Satz, dass ein Zwang zur Aufnahme sich ohnehin nicht durchsetzen lasse beweist, dass die Interpretation der „Kulissen“ und „goldenen Zügeln“ ins Schwarze trifft. Man hat in Brüssel frustriert zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Pferde bocken weil sie riechen, dass der Weg zum Schlachter führt. Da nützt auch alles Zerren am Zaumzeug nichts mehr. Darum werden auch die Mittel der Strukturförderung für Länder, die sich weigern, Flüchtlinge aufzunehmen „deutlich gesenkt“. Das ist das Problembewusstsein. Das böse Ungarn bekommt nur noch 17,9 statt 23,6 Milliarden Euro zugeteilt, genau wie Tschechien. Allerdings wird so ein mickriges Möhrchen vor den Nüstern von 400 Euro/Flüchtling/Jahr keinen der widerspenstigen Gäule gefügig machen.
Laut Ifo-Chef Hans Werner Sinn kostet uns jeder Flüchtling in Deutschland im Schnitt 450.000 Euro und das sei noch optimistisch, sagt er. Darin sind außerdem die Sach- und Personenschäden durch die Kriminellen unter den Einwanderern nicht enthalten. Angenommen, man könnte tatsächlich im Schnitt jeden Flüchtling nach 10 Jahren als erfolgreich integriert und erwerbstätig einstufen. Das ist schon eine recht großzügig bemessene Zeit. Das brächte dem Aufnahmeland maximal 40.000 Euro ein, macht ein Minus von 410.000 Euro. So blöd ist nicht einmal ein Pferd. Das weiß auch Herr Markus Pieper und sagt: „Die Prämie, die die EU pro aufgenommenen Migranten zahlt, könnte von 400 Euro gut verdoppelt werden, und man könnte die Zweckbindung der Sozialprogramme für Integrationsarbeit verbindlicher gestalten.“ Also, bei stolzen 800 Euro/Flüchtling/Jahr sieht die Sache natürlich schon ganz anders aus. Bravo, Herr Pieper. Politiker wie Sie sind die Hoffnung des Kontinents.
Achso, ja, und … „Allerdings hat das nur am Rande mit deren Flüchtlingspolitik zu tun, findet EVP-Fraktionsgeschäftsführer Pieper: „Die wirtschaftliche Entwicklung in Ländern wie Polen, Tschechien und Ungarn ist fantastisch gut gelaufen. Viele Regionen dort sind inzwischen aus der Höchstförderung herausgefallen.“
Seltsam, dass sich ausgerechnet diese Länder, die sich von Anfang an geweigert haben, Flüchtlinge aufzunehmen, jetzt als sichere, ruhige, wirtschaftlich erfolgreiche Länder dastehen, während Länder wie Schweden, Dänemark, Frankreich, Italien und Deutschland, die sehr viele Flüchtlinge aufgenommen haben, in großen finanziellen und gesellschaftlichen Problemen stecken. Und das, obwohl Wirtschaft und Politik doch massenhaft all die tollen Menschen hereingeholt haben, die (so Martin Schulz) wertvoller sind als Gold. Sehr, sehr seltsam.

Quelle: "Prämie-Illegale"
Haiti am Abgrund – Dank westlicher Korruption und Veruntreuung von Hilfsgütern

US-Staatsbürger wurden während der jüngsten Unruhen gewarnt, in Haiti vor Ort Schutz zu suchen. Das karibische Land ist nach dem Erdbeben im Jahr 2010 noch nicht wieder auf den Beinen, auch weil ausländische Hilfe Krankheiten und Korruption mit sich brachte. Seit Jahren versickern westliche Hilfsgelder in dunklen Kanälen zwielichtiger Organisationen und den Menschen vor Ort geht es schlechter den je.
Das US-Außenministerium warnte am Sonntag in Haiti festsitzende US-amerikanischen Bürger, sich in der Hauptstadt Port-au-Prince und darüber hinaus zu verstecken oder Schutz zu suchen – „wegen anhaltender Demonstrationen, Straßensperren und Gewalt“. Derzeit soll eine Ansammlung von Angehörigen christlicher Jugendgruppen in ländlichen Gebieten außerhalb von Port-au-Prince gestrandet sein. Etwa 120 US-Bürger sollen zudem in einem Hotel gefangen sein, das von Demonstranten angegriffen wurde, die versuchten, das Gebäude niederzubrennen.
Seit Freitag, als Premierminister Jack Guy Lafontant eine Erhöhung der Treibstoffpreise um 38 Prozent angekündigt hatte, um den Haushalt des armen Landes auszugleichen, wird Haiti von gewalttätigen Protesten heimgesucht. Während die Regierung den Plan bis Samstag zurückgenommen hat, ist der öffentliche Ärger nicht abgeklungen, und Regierungsgebäude, Hotels und Geschäfte in der Hauptstadt wurden weiterhin in Brand gesetzt.
Neben weit verbreiteten Berichten über Plünderungen, Raub und Brandstiftung sollen auch mindestens vier Menschen getötet worden sein. Während die AFP berichtet, dass eine gewisse Normalität auf die Straßen zurückkehrt, fordern die Demonstranten nun den Rücktritt von Präsident Jovenel Moise und drohen mit einem zweitägigen Generalstreik. „Wenn der Präsident noch einen Tag bleibt, wird das Spiel ein neues Gesicht bekommen: Wir werden die Straßen sperren und alles in Brand stecken, weil wir weiter nichts zu verlieren haben“, sagte ein Protestler der AFP.
War Haiti auch schon in vorangegangenen Jahrzehnten von Gewalt, Armut, Willkür, Diktaturen, Misswirtschaft und Bürgerkriegen heimgesucht worden, haben in jüngster Zeit auch schwere Naturkatastrophen die Situation auf der Insel belastet. Im Januar 2010 hat ein Erdbeben der Stärke 7 mit einem Epizentrum 16 Meilen westlich der Hauptstadt einen großen Teil Haitis eingeebnet und zwischen 100.000 und 316.000 Menschen das Leben gekostet. Von den Hurrikanen Matthew und Irma in den Jahren 2016 und 2017 sowie zuvor von politischen Unruhen im Jahr 2015 heimgesucht, sind die Haitianer arm und hungrig. Sie verlieren langsam, aber sicher die Geduld mit ihrer Regierung.
Als das Erdbeben zuschlug, war Haiti bereits das ärmste Land der westlichen Hemisphäre, und die Regierung war für die Rettungs- und Aufräumarbeiten schlecht gerüstet. Ein Jahr nach dem Beben waren nur fünf Prozent der Trümmer beseitigt und nur 15 Prozent der benötigten Wohnungen sind gebaut worden. Acht Jahre später sind immer noch über zwei Millionen Haitianer auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Millionen von Dollar an ausländischer Hilfe gingen weitgehend an der haitianischen Regierung vorbei, aber das Geld gelangte dennoch in die Hände der lokalen Elite – und zwar jener Teil, der nicht die Kassen der NGOs füllte. Fast neunzig Prozent der ausländischen Mittel wurden über UN-Organisationen, private Auftragnehmer und ausländische zivile und militärische Einrichtungen ausgezahlt.
Sogar der haitianische Sänger und Rapper Wyclef Jean, der die Welt bereiste, um Unterstützung für die Hilfsaktion zu mobilisieren, wurde für die Aktionen seiner Wohltätigkeitsorganisation Yele strafrechtlich verfolgt. Die Wohltätigkeitsorganisation stellte 2012 ihre Geschäftstätigkeit ein. Sie hatte angeblich mehr als die Hälfte der 16 Millionen Dollar an Spenden für Gehälter, Geschenke an Jeans Familie und Reisekosten wie jene für die Schauspielerin Lindsay Lohan ausgegeben, die zu einer Spendenaktion nach Chicago gekommen war.
Eine Choleraepidemie, die 2010 ausbrach und erst 2017 nachließ, wurde einer Kontamination durch UN-Friedenstruppen aus anderen Teilen der Welt zugeschrieben. Zudem gerieten mehrere NGOs in den Verdacht, in Fälle des Kindesmissbrauchs oder der sexuellen Ausbeutung Minderjähriger im verarmten Haiti verwickelt zu sein. Auch die Auslandshilfe vorwiegend vonseiten der USA hat den Staat als größten Dienstleister für Haitianer verdrängt und eine Kultur der Abhängigkeit geschaffen. Das US-Friedensinstitut bezeichnete Haiti einmal als „Republik der NGOs“ und warnte davor, dass die erste schwarze Republik der Welt weiter von einer Krise in die andere schlingern würde, wenn die Regierung sich nicht besser um ihre eigenen Bürger kümmert.

Auch die von Bill und Hillary geleitete Clinton Foundation hatte dem Land nach dem Beben von 2010 große Avancen gemacht. Herr Clinton wurde neben dem damaligen Premierminister Jean-Max Bellrive sogar zum UN-Sonderbeauftragten für Haiti und Ko-Vorsitzenden der Interim Haiti Recovery Commission ernannt.
Trotz der Tatsache, dass die Clinton-Stiftung selbst nur für die Beschaffung von 30 Millionen Dollar an Wiederaufbaugeldern verantwortlich war, haben Kritiker in Haiti und in den USA die Clintons beschuldigt, die Katastrophe zu Lasten der armen Haitianer für eigene Zwecke zu nutzen, was den Clintons viel öffentlichen Ärger einbrachte – sowohl in Haiti als auch in der Diaspora. „Die Clinton-Familie, sie sind Gauner, sie sind Diebe, sie sind Lügner“, erklärte etwa der haitianische Aktivist Dahoud Andre gegenüber der BBC. Kim Ives, Redakteur der Zeitung Haiti Liberté, fügte hinzu, dass „viele Haitianer keine großen Fans der Clintons sind, soviel ist sicher“.
Das Projekt des Industrieparks Caracol ist demnach eine der Hauptursachen der haitianischen Wut auf die Clintons. In Zusammenarbeit mit dem US-Außenministerium unter Hillary Clinton arrangierte die Stiftung einen Vertrag mit der haitianischen Regierung zum Bau eines 300 Millionen Dollar teuren Fabrikkomplexes im Jahr 2012, der angeblich 100.000 Arbeitsplätze schaffen sollte. Bis heute hat das Vorhaben weniger als 10.000 Arbeitsplätze geschaffen und produziert hauptsächlich Kleidung für Sae-A Trading Co., einen südkoreanischen Textilkonzern und Spender der Clinton Foundation. Im Jahr 2014 weigerten sich die Fabrikchefs dann auch noch, sich an die Anhebung des Mindestlohns zu halten, welche die Regierung zuvor vorgeschrieben hatte.

Quelle: "Haiti-Abgrund"

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