Suche Rezepte für Hausmannskost, aus Ur- und Omas Küche
"ROT_GRÜN?"

"ROT_GRÜN?"

06.06.2019 20:19

Korruption wird zur innovativen Verwendung von Steuergeldern, Lügen werden zu strategischen Aussagen, Zwang wird zum leichten Anschubsen, in der schönen neuen Welt des Neo-Faschismus, ist es an der Tagesordnung, die Realität anders darzustellen als sie nun einmal ist.
Eine zentrale Rolle im Versuch, Menschen ein X für ein U vorzumachen, spielen die angeblichen Qualitätsmedien, eine weitere Variante des beschriebenen Musters, denn die meisten angeblichen Qualitätsmedien sind nichts anderes als Propagandaschleudern.
Wenn in der ZEIT und in der Welt, die angeblich unterschiedliche politische Profile haben, derselbe Text der dpa in weitgehend identischer Weise übernommen wird und wenn dieser Text sich abermals dadurch auszeichnet, dass er ein Baustein in der großen Grünen Propagandaschlacht ist, in der die Zerstörung des Planeten für den 8. Mai 2025 angekündigt wird und nur Bündnis90/Die Grünen in trauter Eintracht mit anderen Sozialisten und Kommunisten die Apokalypse verhindern können, dann weiß man, ein neues Kapitel des Versuchs, Leser um den Verstand zu schreiben, ist aufgeschlagen.
Überschrieben ist das Kapitel mit: „Mehrheit für Neuwahlen und Rot-Rot-Grün“ bei der ZEIT und mit „Grün-Rot-Rot ist die beliebteste Koalition der Deutschen“ bei der Welt. Die beiden Überschriften sind so ziemlich das einzige, was die nachfolgenden Texte der beiden angeblichen Qualitätsmedien unterscheidet, denn beide Texte sind von dpa gekommen und werden an die eigenen Lesern weitgehend unredigiert durchgereicht. Fast so, als gäbe es eine entsprechende Agenda.
“Wir sehen in unserem Land eine Entwicklung,die nicht immer in die richtige Richtung führt. Wir haben etwas mehr as 60 solcher anfälligen Gebiete (No-Go-Areas) rund um die großen Städte in Schweden. Dort gibr es Kriminalität und wir müssen diese Entwicklung in den Gebieten wieder umkehren. Wir brauchen Hilfe aus anderen Teilen der Gesellschaft.” (Dan Eliasson)
(rjhCD6149)


Mehrheit für Rot-Rot-Grün? Die alltägliche Propaganda

Im Text wird von einer Umfrage berichtet, die YouGov-Deutschland durchgeführt hat. „2042 Menschen“, so die Welt, wurden für die natürlich repräsentative Umfrage befragt. Man kann auch sagen, sie wurden missbraucht, denn was sie geantwortet haben, das interessiert niemanden.
Vielmehr werden ihre Angaben benutzt, um geradezu das Gegenteil aus dem abzuleiten, was tatsächlich gemessen wurde.
Und so entpuppt sich die Mehrheit aus der Überschrift der ZEIT, die angeblich für eine rot-rot-grüne Koalition ist, worunter man bei der ZEIT seltsamerweise eine Koalition zwischen Grünen, SPD und LINKE versteht, als Minderheit von 25%. Die korrekte Formulierung lautet entsprechend: Ein Viertel der von YouGov Befragten präferiert eine Koalition zwischen Grünen, SPD und LINKE.
Wollte man keine Sozialismus-Agenda befördern und den Lesern nicht suggerieren, es gebe eine Mehrheit für sozialistische Experimente, man könnte auch korrekt berichten, dass 75% der Befragten sich gegen eine rot-rot-grüne Koalition ausgesprochen haben. Damit wäre natürlich die Qualifizierung der Welt, nach der dieselbe Koalition, die beliebteste ist, vom Tisch, und man müsste korrekt formulieren, dass es die am wenigsten unbeliebte Koalition ist, die in der Umfrage von YouGov zur Wahl stand, denn natürlich fehlen z.B. sämtliche Koalitionsmöglichkeiten mit AfD-Beteiligung.
Die selektive Antwortvorgabe ist eine der Todsünden der empirischen Sozialforschung und ein Mittel der Wahl für all diejenigen, die mit Umfragen das Ziel verfolgen, ihre Befragten zu manipulieren.

Nur 9%, so informieren ZEIT und Welt gleichlautend ihre Leser, hätten eine Präferenz für die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD. Die ZEIT schreibt zum Beispiel:
„Die große Koalition ist der Umfrage zufolge von allen möglichen Bündnisoptionen inzwischen diejenige, die am wenigsten gewollt wird. Nur neun Prozent der Befragten würden sich für diese Option entscheiden, wenn sie es sich aussuchen könnten.“
Nun wird Sozialforschung auf einer Reihe von Grundlagen und Annahmen über menschliches Verhalten betrieben. Eine dieser Annahmen geht z.B. davon aus, dass Präferenzen geordnet sind und konsistent oder transitiv. D.h. wenn jemand lieber Bier als Wein trinkt und lieber Wein als Karottensaft, dann wird erwartet, dass er auch lieber Bier als Karottensaft trinkt. Gäbe es eine Umfrage, in der Befragte angeben, sie trinken lieber Bier als Wein, aber lieber Karottensaft als Bier, dann wäre dies ein Zeichen für a) Befragte, die Angaben nach Lust und Laune gemacht und die Forscher mit Datenmüll versorgt haben oder b) eine Manipulation der Fragen durch die Befrager.
In der YouGov-Umfrage wird, so berichten ZEIT und Welt im dpa-Gleichklang, auch folgendes Ergebnis hervorgebracht:
“Die Mehrheit der Deutschen hat sich in einer Umfrage für eine Neuwahl des Bundestags ausgesprochen. In einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov stimmten 52 Prozent für einen solchen Schritt, nur 27 Prozent wünschten sich eine Fortsetzung des Bündnisses von Union und SPD. 21 Prozent machten keine Angaben.”

Offenkundig haben hier 27 Prozent eine Präferenz für eine große Koalition, wieso diese 27% im weiteren Verlauf der Umfrage von YouGov auf 9% zusammenschmelzen, die angeblich eine Große Koalition favorisieren, ist ein Geheimnis, das man nur lüften kann, wenn man den Fragetext vor sich hat, also weiß, was um aller Götter willen YouGov da gefragt hat.
Aber, nächstes Indiz für eine Manipulationsabsicht: Wie so oft, wird über Umfragen vorab berichtet, damit die (Falsch-)Meldung verteilt ist, bevor die Kritik an der Umfrage eintrifft.
Indes ist es nicht notwendig die Fragetexte zu kennen, um zu wissen, dass hier massiv gemauschelt wurde. Wenn aus 27% der Befragten, die eine klare Präferenz für eine Große Koalition haben (sonst würden sie kaum für deren Fortsetzung plädieren) plötzlich 9% werden, die eine Große Koalition präferieren, dann kann dies, einmal mehr, nur zwei Ursachen haben: a) die Befragten machen sich über die Befrager lustig und geben willkürliche Antworten oder b) die Befrager manipulieren über die Frageformulierungen die Antworten der Befragten, so dass am Ende herauskommt, was scheinbar gewünscht ist: Unter den unbeliebten Koalitionen und unter Auslassung einer Vielzahl möglicher Koalitionen ist die rot-rot-grüne Koalition die am wenigsten unbeliebte.

Wenn Sie uns fragen, was wir für wahrscheinlicher halten, willkürliche Antworten durch Befragte oder Manipulation durch Befrager: Die Anzeichen sprechen für Manipulation auf mehreren Ebenen, bei YouGov, bei dpa und bei den vermeintlichen Qualitätsmedien, bei denen z.B. 25%, die eine rot-rot-grüne Koalition präferieren, zur Mehrheit erklärt werden, obschon schon Grundschüler wissen, dass 25% eine Minderheit sind.
Dass der Indikator klarer Manipulation, der offenkundig schon in der Pressemeldung von dpa enthalten ist, keinem der „Qualitätsjournalisten“, die ihr „Qualitätsplagiat“ der „Qualitätsvorlage von dpa“ angefertigt haben, aufgefallen ist, dass nämlich in der selben Umfrage einmal 27% und einmal 9% eine Präferenz für die Große Koalition haben, das sei nur am Rande angemerkt.

Quelle: "Propaganda_Rot_Grün"
Muss die Geschichte des Islam neu geschrieben werden? (von Grinario)

Der Arabist Thomas Bauer will ein neues Islambild schaffen, indem er tief in die bisherige Geschichtsschreibung eingreift. Von welchen Motiven wird er geleitet?
Im ersten Teil wurde mit der Besprechung des jüngsten Buchs des Arabisten und Historikers Thomas Bauer[1] begonnen, das in seinem Titel „Warum es kein islamisches Mittelalter gab – Das Erbe der Antike und der Orient“ (München 2018, in der Folge IM) schon das Bestreben des Autors wiedergibt, dass die islamische Welt zu keiner Zeit in ein dunkles Mittelalter abgerutsch ist, wie es den westlichen Teile des Römischen Reiches geschah, die später als das Abendland bezeichnet wurden.

(Bildquelle: Die politische Situation im westlichen Mittelmeerraum ab 450 bis etwa 476/480; die Karte zeigt das Zusammenschrumpfen der weströmischen Herrschaft in der Peripherie (Britannia, Gallia, Hispania, Nordafrika bis auf wenige Exklaven in Nordgallien und Dalmatia) auf die Kernprovinz Italien; Gustav Droysen: Allgemeiner historischer Handatlas, 1886, aus: Wikipedia, Stichwort „Weströmisches Reich, public domain: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:...450_und_476.jpg)
Bauer zeigt in seinem Werk zunächst sehr genau den Zivilisationbruch auf, der sich für die westlichen Gebiete des Römischen Imperiums durch die Völkerwanderung und auch daraus resultierenden inneren Kriege ergeben haben. Er selbst merkt an, man könne durchaus zu dem Schluss kommen, dass sich Mittel- und Westeuropa einerseits und der Raum des östlichen Mittelmeers und Vorderasiens andererseits nach dem sechsten Jahrhundert n. Chr. nicht in der weltgeschichtlich selben Epoche befunden hätten. Oder anders ausgedrückt: nicht die arabischen Eroberer haben sich ab ca. 630 n. Chr. kulturell und politisch aus der Antike bewegt, sondern die europäischen Gebiete des ehemaligen Weströmischen Reichs wurden durch die kulturvernichtenden Folgen einer unkontrollierten Migration ab ca. 400 n. Chr. aus der weiter fortbestehenden Antike herausgezogen ins Mittelalter. Das hätte auch das Ergebnis einer Neugliederung sein können und Thomas Bauer hätte die islamische Welt vom Begriff „Mittelalter“ befreien können.
Bestimmt der Islam die Epoche?
Es gibt schon eine lang andauernde Diskussion über die Sinnhaftigkeit einer Epochengrenze im Jahre 500 n. Chr., denn tatsächlich ist die Kultur der Antike mit dem Zusammenbruch Westroms nicht plötzlich verschwunden. Eine größere Differenzierung wäre eigentlich angebracht. Schon der große Historiker des 19. Jahrhunderts Theodor Mommsen hatte z. B. den Einbruch der Germanen ab 376 bzw. die Niederlage in der Schlacht von Adrianopel 378 n. Chr. als wesentlich markanteres Ereignis einer neuen Entwicklung betrachtet. In einer erhaltenen Vorlesungs-Mitschrift über die Römische Kaisergeschichte (herausgegeben von Barbara und Alexander Demandt, Darmstadt 2005, S. 570) ist festgehalten:[/b]
[b]»Mit dem Verlust der Donaugrenze war der Würfel über das Römerreich geworfen, und das weitere Verfolgen der Agonie ist unerfreulich und zwecklos. Der Schwerpunkt liegt jetzt in den germanischen Völkern. Das Schauspiel, wie Kaiser Honorius in seiner Sumpfburg Ravenna sitzt und nichts tut, als starr ‚Nein‘ zu sagen, ist überhaupt kläglich. Im Ostreich steht es nicht ganz so schlimm. Konstantinopel hatte den Vorzug, eine unverwüstliche Stadt zu sein, zugleich Residenz und Reichsmittelpunkt, in unvergleichlicher Lage. Das ist ein ungeheurer Unterschied gegen die Scheidung in Italien zwischen Rom und Ravenna. Konstantinopel zeitigt noch Blüten, Winterblüten freilich, aber der ewige Flor griechischer Kunst und Poesie war doch nicht zu ertöten.«

Die Tendenz ging früher eher dahin, das Mittelalter noch vorne zu verlegen, die Antike also zu verkürzen. So ist in dem heute allerdings vergriffenen mehrbändigen Nachschlagewerk „Geschichte griffbereit“ von Imanuel Geiss (Hamburg 1979) die Epochengrenze des Mittelalters als Übergangszeit zwischen 406, dem Rheinübergang der Germanen nach Gallien, und 476, dem Erlöschen des weströmischen Kaisertums, definiert. Und Geiss hatte schon damals das Mittelalter auf Europa (allerdings ganz Europa, einschließlich orthodoxer Osten mit Russland) beschränkt und begrifflich nicht auf andere Regionen angewandt. Die Epochendefinition in ihrer geografischen Einschränkung, die Geiss vornimmt, zeigt im Übrigen, dass es auch schon früher Vorbehalte gab, die islamische Kultur in das Mittelalter mit einzubeziehen.
Aber von einer solch trennenden Neugliederung der Epochen, die die Völkerwanderung in ihrer Auswirkung auf die allgemeinen Lebensverhältnisse natürlich hervorgehoben hätte, will Thomas Bauer nichts wissen. Diesen radikalen Schnitt will er nicht machen, sondern er postuliert, dass die Menschen in dem Großraum zwischen Atlantik und Hindukusch in der fraglichen Zeit zwar unterschiedliche Lebensverhältnisse gehabt, sich aber dann doch nicht in weltgeschichtlich unterschiedlichen Epochen befunden hätten. Um das begrifflich abzusichern, verwendet er den Begriff „Transformation“, der für ihn erst einmal wertfrei ist und den Aufstieg einer Kultur genauso beinhalten kann wie deren Verfall. Außerdem entzieht er der damals absolut peripheren Region West- und Mitteleuropa die Definitionsmacht zur Periodisierung der Weltgeschichte, so dass die Verhältnisse in dieser Region ab dem 6. Jahrhundert n. Chr. nicht mehr norm- und namensgebend für die übrige Mittelmeerwelt sein sollen.
Die epochemachende Kultur in der ausgehenden Antike war aus Sicht Bauers die islamische Welt. Die Frage für Bauer ist nach Aufgabe der eurozentrischen Perspektive deshalb umgekehrt, wie man den Zivilisationsstörfall „europäisches Mittelalter“ (das sind allerdings nicht seine Worte) noch sinnvoll in die Spätantike integrieren kann. West- und Mitteleuropa sind in dieser Sicht „Störenfriede“ in der „Geschichte einer sich vom östlichen Mittelmeerraum ostwärts dynamisch entwickelnden Spätantike“ (IM, S. 105).
Der Arabist zieht nun die Schlussfolgerung, dass in Europa wie Klein- und Vorderasiens nach dem 6. Jahrhundert n. Chr. eine „Transformation der romano-graeco-iranischen Antike“ stattfand, die im elften Jahrhundert dann zu Ende ging:

»Die lange Zeit einer romano-graeco-iranischen Antike ging vom fünften bis zum siebten Jahrhundert allmählich in eine Periode der Transformation der Spätantike über, an deren Ende jeweils etwas Neues stand. Dieses Neue war auf der einen Seite das, was man in Europa gewohnt ist Hochmittelalter zu nennen, auf der anderen Seite eine konsolidierte islamische Kultur, die noch lange keinerlei Zeichen von Stagnation oder gar Niedergang zeigte, auch wenn sie sich – wie alle anderen Weltkulturen – weniger stürmisch und katastrophal fortentwickelte als West- und Mitteleuropa.« (IM, S. 113)
In dieser Sichtweise »lässt sich der Zeitraum nach dem Untergang des Weströmischen Reiches und der arabisch-islamischen Eroberung des Sassanidenreiches sowie weiter Teile des Oströmischen Reiches als Teil der Spätantike verstehen«. (IM, S. 150) Bauer definiert das, was man in Europa gewohnt ist Frühmittelalter zu nennen (der Auf- und Abstieg des Frankenreichs bis zum endgültigen Zerfall in Teilreiche zwischen 500 und 1050 n. Chr.) als einen fortbestehenden Teil der Antike oder genauer der Spätantike, als einen Teil allerdings, der in dieser Phase eine gewisse Transformation nach unten erfahren musste, während der kulturell intakt bleibende Osten sich nun unter islamischer Herrschaft zu neuen spätantiken Höhen aufschwingt.
Erst ab dem 11. Jahrhundert kann man aufgrund einer krisenhaften Zeit nicht mehr von einer fortbestehenden Antike im östlichen Mittelmeerraum sprechen. Doch auch in Bezug auf West- und Mitteleuropa verlängert der Historiker ja die Antike, denn das eigentliche Mittelalter begänne demnach erst im 11. Jahrhundert n. Chr., und es wäre dann eine rein europäische Angelegenheit. Auch hier soll aber der Begriff »Mittelalter«, der ja »diskreditiert« ist, nicht mehr Verwendung finden. Außerdem will er Europa und die islamische Welt ab 1050 auch nicht epochenmäßig trennen, nur eurozentrisch darf der Blickwinkel eben nicht sein.
Störfall der Geschichte
Bauer konstruiert somit die Epochen völlig neu. Die Spätantike, die er um 250 n. Chr. beginnen lassen will (also mit der Herrschaft des römischen Soldatenkaisers Decius), bekommt in dieser neuen Epocheneinteilung als Transformationszeit, als formative Periode für zwei Kulturen, ein ungeheuer großes Gewicht mit einer Dauer von 800 Jahren. Am Ende der Transformation der Antike hatten sich in der Sicht Thomas Bauers auf antiker Grundlage zwei eigenständige hochkomplexe Kulturen gebildet, die sich deutlich über ihr spätantikes Erbe hinausentwickelt hatten.

Um das unbeliebte Mittelalter endlich zu eliminieren, geht der Historiker davon aus, dass das Jahr 1500 n. Chr. als einschneidendes Epochenjahr (bisheriges Ende des Mittelalters) eher überbewertet ist, und setzt etwa das Jahr 1750 als sehr viel prägnanteres Epochenjahr für den Beginn des Zeitalters der Moderne. Damit hat er mit der Zeit zwischen 1050 und 1750 eine neu zugeschnittene Epoche kreiert:
»Die romano-graeco-iranische Antike geht um 250 n. Chr. in eine Spätantike über, die um 1050 großräumig in eine neue Epoche eintritt, welche wiederum bis etwa 1750 andauert, wobei diese Grenzen natürlich mit einem Spielraum von mindestens fünfzig Jahren zu verstehen sind.
Wenn man mit einem Umbruch gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts die Moderne beginnen lässt, ergibt sich mithin eine rund siebenhundertjährige Epoche von der Mitte des elften bis zur Mitte oder zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts, die man in zwei Unterepochen unterteilen kann, deren Grenze um das 1500 anzusetzen ist. Doch wie kann diese Epoche heißen? Der Begriff ‚Mittelalter‘ ist diskreditiert und lässt sich auch schwerlich bis ins achtzehnte Jahrhundert ausdehnen. Mit post- und prä- kommt man auch nicht viel weiter. Schließlich leben wir noch immer in einer ‚Postantike‘, und in die ‚Vormoderne‘ fällt auch die ganze Antike. So scheint es naheliegend, den Begriff der Neuzeit zu übernehmen, der vor allem als Frühneuzeit in der auf Europa zentrierten Geschichtsschreibung gut eingeführt ist. Seine eurozentrische Normativität könnte überwunden werden, wenn man ihn für einen großen Teil der Alten Welt gelten ließe, und Gründe dafür gibt es, wie gezeigt wurde. Gibt man diese Europazentriertheit auf und lässt den sinnlosen Begriff eines ‚Mittelalters‘ hinter sich, bietet sich als Beginn der Neuzeit schon das Ende der Spätantike in der Mitte des elften Jahrhunderts an. Die Zeit um 1500 würde dann die Grenze zwischen einer frühen oder ersten Neuzeit und einer späteren oder zweiten Neuzeit bilden, die gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts in die Moderne übergeht (…).«
(IM, S. 157/158)
Und somit ist die alte eurozentrische Aufteilung erfolgreich „dekonstruiert“ und eine politisch korrekte neue Epochengliederung an ihre Stelle getreten:
° Früh- und Hochantike: 800 v. Chr. – 250 n. Chr.
° Spätantike: 250 n. Chr. – 1050 n. Chr.
° Neuzeit: 1050 n. Chr. – 1750 n. Chr.
° Moderne: 1750 n. Chr. –

Natürlich könnten Nörgler sich an den weiterhin geltenden durchaus europäischen Begriffen »Neuzeit« und »Moderne« stoßen, doch vor allem der diskriminierende Begriff „Mittelalter“ entfällt nun für alle, auch die West- und Mitteleuropäer sind ihn endlich los. Durch die verlängerte Spätantike und die neu formierte und vor allem nach unten verlängerte Neuzeit kann Thomas Bauer erreichen, dass die islamische Welt und das verbliebene Byzantinischen Reich die Kultur der Antike nach 500 fortgeführt haben, und begrifflich hat er mit der „Auflösung“ des Mittelalter innerhalb der Epochengliederung den Zivilisationsbruch der Völkerwanderungszeit, der West- und Mitteleuropa getroffen hat, doch einigermaßen entschärft. Er kann aber insgesamt (wie schon im ersten Teil des Beitrags dargestellt) nicht ganz außer Acht lassen, dass die Entwicklungen etwa nach 500 in den jeweiligen Hälften des untergegangenen Gesamtreichs der Römer in sehr gegensätzliche Richtungen verlaufen sind. Denn, so bekräftigt er auch noch einmal im schon genannten ZEIT-Interview:
Während »Europa nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches ein beispielloses Chaos erlebte, in dem das antike Wissen zum Großteil zerstört und vergessen wurde, schlossen die islamischen Gesellschaften nahtlos an die antike Bildungstradition an«.
An dieser Stelle sei eine kurze Anmerkung zum Thema „Völkerwanderung“ und sein derzeitiger Umgang in den Medien erlaubt. Die Völkerwanderung und ihre Folgen sind derzeit nicht gerade das Lieblingsthema in den Mainstreammedien, schon gar nicht, wenn man den Begriff auf die heutige Zeit anwendet. Thomas Bauer hat über den Vergleich der Lebensverhältnisse im Westen und im Osten anschaulich die verheerende Auswirkung der Völkerwanderung für die europäischen Gebiete des Weströmischen Reichs darstellen können. Zwar ging es ihm in erster Linie darum, die Unterschiedlichkeit der Entwicklung des frühmittelalterlichen Europas auf der einen und des arabisch beherrschten Raums auf der anderen Seite aufzuzeigen, doch hat er damit eigentlich auch gegen eine immer stärker werdende Tendenz Stellung bezogen, den Zusammenbruch des Weströmischen Reiches nicht als radikalen Einschnitt zu sehen, sondern eher von einer allmählichen, also eher harmlosen Transformation der spätantiken Welt in die mittelalterliche Welt zu sprechen.

Die Sichtweise von einer allmählichen Transformation bewahrt natürlich davor, die Völkerwanderung der Spätantike als vor allem für die einheimische Bevölkerung negatives Ereignis zu sehen und »entgiftet« auch den Begriff, wenn man ihn auf Vorgänge in unserer Zeit anwendet. Bauer verwendet den Transformations-Begriff auch, doch seine Darstellung kann die Sichtweise, die Vorgänge im weströmischen Bereich als relativ bruchloses Hinübergleiten in ein neues Zeitalter anzusehen, in dieser Form natürlich nicht übernehmen.
Eine Kontinuität der politischen Verhältnisse und der Kultur bewahrte das Oströmische bzw. Byzantinische Reich und auch das neue Reich der islamischen Araber in Spanien, Nordafrika und im Nahen Osten. In diesen Gebieten kann man von einer allmählichen Transformation sprechen. Nicht aber im frühmittelalterlichen Europa, hier führte der Zusammenbruch der politischen Macht der Römer in der Völkerwanderungszeit zu einem beispiellosen Kulturbruch.

Bauer muss daher den Störfall der Geschichte namens Mittelalter offenlegen, versucht ihn aber mehr oder weniger in seiner neuen Epochenkonstruktion dann wieder zu verstecken. Bauers Hauptintention im hier besprochenen Buch ist es ja, die islamische Kultur vom Begriff der Mittelalters und damit der Rückständigkeit zu befreien. Damit ist seine Aussage eingebettet in eine gute Absicht. Insgesamt führte das zu einer sehr freundlichen Aufnahme seines Buches in den Medien, auch wenn seine Kernaussagen über die Auswirkungen der antiken Völkerwanderung eher der traditionellen Interpretation entsprechen.
In einem anderen Fall Anfang 2016 sollte rigoros die Veröffentlichung eines Beitrags des bekannten deutschen Althistorikers Alexander Demandt unterdrückt werden, der das Thema „Untergang des Römischen Reiches“ behandelte[2] und der gewagt hatte, im Zusammenhang mit der Völkerwanderung von der »Auflösung der alten Ordnung« zu sprechen, von nicht mehr integrierbaren Zuwanderern und vom Anwachsen zu einer kritischen Menge, die für ein Staatsgebilde gefährlich werden kann. In unseren Zeiten ist offenbar nicht mehr wichtig, was jemand zu einem Thema zu sagen hat, sondern in welcher Absicht er etwas sagt bzw. welche Absicht man ihm oder anderen, die seinen Text zitieren, unterstellen könnte. Soll die Moral der Meinungswächter in Zukunft bestimmen, was als wissenschaftlichen Erkenntnis publiziert werden darf? Armes Europa, wenn es dauerhaft so weit käme!

Zum Abschluss ist die Frage zu stellen, ob durch Thomas Bauers Versuch, vor allem die islamische Welt vom Begriff „Mittelalter“ nachträglich zu reinigen, das Verständnis für die heutige islamische Welt vergrößert wurde, denn was er in seinem Buch beschreibt, ist nun einmal ein Islam der Vergangenheit. Die heutige Wahrnehmung des Islam ist z. B. geprägt von Verfolgungen und Ermordungen Andersgläubiger, von vormodernen Strafen (Steinigung, Auspeitschung) gegenüber Menschen die vom islamischen Rechtssystem abweichen, ob das homosexuelle Männer sind oder Frauen, die nicht die Kleiderordnung einhalten.
Es ist auch fragwürdig, für die wahrnehmbare zunehmende Intoleranz und immer weitere Islamisierung im arabischen Raum pauschal einfach den Westen bzw. die von hier importierten politischen Ideologien verantwortlich zu machen und damit die Handlungsträger in diesen Gebieten generell zu exkulpieren. Nach Thomas Bauer kannte die islamische Welt kein Mittelalter, aber viel entscheidender ist doch, dass es in ihr kein Zeitalter der Aufklärung gab. Und das wirkt sich bis heute aus.

Quelle: "ISLAM_EUROPA"

Einstellungen
  • Erstellt von meineHeimat In der Kategorie Allgemein am 06.06.2019 20:19:00 Uhr

    zuletzt bearbeitet: 06.06.2019 20:19
Beliebteste Blog-Artikel Artikel empfehlen
Andere Artikel dieser Kategorie, die für Sie interessant sein könnten: Neueste Artikel der Kategorie Allgemein
Kommentar zu ""ROT_GRÜN?"" verfassen
[b][/b]
[i][/i]
[u][/u]
[code][/code]
[quote][/quote]
[spoiler][/spoiler]
[url][/url]
[img][/img]
[video][/video]
Smileys
smile
smile2
spook
alien
zunge
rose
shy
clown
devil
death
flash
sick
heart
idee
frage
blush
smokin
mad
sad
wink
frown
crazy
grin
hmm
laugh
mund
oh
rolling_eyes
lil
oh2
shocked
cool
[mail][/mail]
[pre][/pre]
Farben
[rot][/rot]
[blau][/blau]
[gruen][/gruen]
[orange][/orange]
[lila][/lila]
[weiss][/weiss]
[schwarz][/schwarz]
Suche Rezepte für Konservierung heimischer Kräuter, Tipps für Marmeladen, Marinaden


disconnected Foren-Chat Mitglieder Online 0
Xobor Xobor Blogs