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"PLEITEWELLE"

"PLEITEWELLE"

27.07.2020 18:54

Eine eher düstere Prognose hat ein Rechercheteam des „Handelsblatts“ auf der Basis von Expertenmeinungen für die deutsche Wirtschaft im Herbst abgegeben. Nicht nur in den kommenden Monaten drohte demnach als Folge der Corona-Krise tausenden Unternehmen die Pleite. Auch für das Jahr 2021 sei nicht von einer substanziellen Verbesserung auszugehen.
Auf globaler Ebene geht der Kreditversicherer Euler Hermes bis Ende 2021 von einer Zunahme der Insolvenzen um mehr als ein Drittel im Vergleich zu 2019 aus. Ab dem dritten Quartal werde es diesbezüglich auch in Deutschland ernst. Auch hier wird mit einem deutlichen Plus bei den Pleiten gerechnet.
Immerhin würde die hiesige Wirtschaft mit geschätzten zwölf Prozent Anstieg, was etwa 21.000 zusätzlichen Insolvenzen gleichkäme, im weltweiten Maßstab noch relativ glimpflich davonkommen. Das ifo-Institut sah Anfang Juni auf der Basis der Ergebnisse einer eigenen Umfrage jedes fünfte deutsche Unternehmen in seiner Existenz gefährdet. Die Banken wären keine Hilfe, da sie selbst mit Kreditausfällen in großem Umfang zu rechnen hätten. Die Binnenkaufkraft würde an hoher Arbeitslosigkeit und gebremster Dynamik leiden und der Staat muss mit geringeren Steuereinnahmen rechnen. (Reinhard Werner)
"Noch im Juli will die österreichische Bundesregierung ein Gesetzespaket gegen Hass im Netz vorstellen. Als Blaupause soll das deutsche Netzwerkdurchsetzungsgesetz herhalten: Ab einer bestimmten Größe müssten Plattformen ihnen gemeldete Inhalte rasch überprüfen und gegebenenfalls löschen. Sonst drohen ihnen Geldstrafen.
Um Details feilscht die türkis-grüne Koalition noch, eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe stellte gestern jedoch den Rahmen des Vorschlags vor. Demnach sollen die Löschfristen bei 24 Stunden beziehungsweise sieben Tagen in unklaren Fällen liegen, berichtet Der Standard. Nicht abschließend geklärt ist, ob lediglich große soziale Netzwerke unter das Gesetz fallen sollen oder auch Foren respektive Kommentarspalten beliebiger Online-Angebote ab einer gewissen Größe."
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Ab Herbst droht tausenden Unternehmen die Pleite – Schnäppchenjäger starten Beutezug - Zwölf Prozent mehr Pleiten in Deutschland befürchtet


Derzeit verhindern Corona-bedingte Sonderregeln eine Insolvenzwelle in Deutschland. Weltweit droht jedoch ab Herbst eine Pleitewelle. Zudem könnten Akteure mit zweifelhaften Absichten darauf warten, Unternehmen zum Schnäppchenpreis aufzukaufen.

Da einige der in der Lockdownphase eingeführten Schutzmaßnahmen wegfielen, sei zu befürchten, dass insbesondere in Bereichen, in denen eine Normalisierung auch weiterhin nicht zu erwarten ist – etwa Tourismus, Gastronomie, Veranstaltungen oder Flüge – der Herbst zu einem bösen Erwachen führen werde. Zu viele Unternehmensbilanzen, so heißt es bei Euler Hermes, seien irreparabel geschädigt. Auch zuvor gesunde Unternehmen könnte es treffen.
Eine Hoffnung für viele Betroffene biete das sogenannte Schutzschirmverfahren. Diese in Paragraf 270b der Insolvenzordnung festgeschriebene Einrichtung bezeichnet eine dem regulären Insolvenzverfahren vorgeschaltete Vorgehensweise, die eine Fortführung der Geschäfte in Eigenregie mit einem Sanierungskonzept verbindet – gleichzeitig aber auch bereits substanzielle Vorbereitungen auf ein Insolvenzverfahren beinhaltet, das im Fall eines Scheiterns des Sanierungsplans nicht mehr abzuwenden wäre.
Wird Aussetzung der Antragspflicht im Insolvenzrecht über den Herbst verlängert?

Das Handelsblatt macht im Wesentlichen vier große Faktoren aus, die entscheidend sein werden bezüglich der Frage, wie die deutsche Wirtschaft die Corona-Pandemie überstehen wird.
Der erste davon ist das, was die Fachredakteure als „Ruhe vor dem Sturm“ bezeichnen und was im Wesentlichen die Frage betrifft, inwieweit vorübergehende Schutzmaßnahmen, Schutzschirmverfahren und Rettungspakete in der Lage sind, in der Substanz gesunde Unternehmen durch die Krise zu bringen.
Dem „Too Big To Fail”-Gedanken der Weltfinanzkrise von 2008 verpflichtet, sah sie die Bundesregierung offenbar bei der Lufthansa. Für deren neun Milliarden Euro schweres Rettungspaket griff der Bund tief in die Tasche der Steuerzahler – um ein in seiner psychologischen Außenwirkung möglicherweise problematisches Schutzschirmverfahren abzuwenden.
Autoindustrie als Wackelkandidat
Diese Rettungsoption ist nicht in der Fläche anwendbar, und so werden sich Branchen auf ohnehin umkämpften Märkten, etwa Mode oder Einzelhandel, auf zahlreiche Schutzschirmverfahren einstellen müssen. Esprit und Galeria Karstadt Kaufhof sind die prominentesten Namen in diesem Bereich. Die Tom-Tailor-Holding hingegen ist jetzt schon insolvent.
Die Autoindustrie sei aber ebenfalls ein potenzieller Wackelkandidat, zumal diese bereits vor der Corona-Krise unter Druck stand – und auch nicht absehbar ist, ob der politisch-ideologische Dirigismus, der dazu beigetragen hatte, durch diese ein Ende erfahren würde.
Leidet die Autoindustrie, leiden aber auch die Zulieferer. Ein Teufelskreis. Im Unterschied zu noch stärker belasteten Branchen wie Gastronomie und Tourismus ist in diesem Sektor aber immerhin die Eigenkapitalquote höher.
Ein zusätzliches Fragezeichen werfe die Zukunft des Arbeitsmarktes auf. In diesem Jahr schätzt das ifo, dass durchschnittlich 2,2 Millionen Menschen in Kurzarbeit sein werden. Das bundeseigene Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rechnet mit etwa 500.000 mehr Arbeitslosen im Herbst als im Vorjahr.
Zudem droht eine Flut an Insolvenzanträgen, die bislang nicht eingebracht worden seien, weil die Pflicht, bei Vorliegen eines entsprechenden Tatbestandes einen solchen einzubringen, in der Zeit des Corona-Lockdowns temporär außer Kraft gesetzt wurde.
Zombie-Unternehmen drohen Markt zu verzerren

Eine zweiter Faktor, vor dem bereits zuvor Experten gewarnt hatten, sei die Gefahr, „Zombie-Unternehmen“ auf dem Markt zu halten. Diese hänge ursächlich mit den Veränderungen in der Insolvenzgesetzgebung zusammen.

Eric Schweitzer, Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), will ebenso wie Reinhold von Eben-Worlée, Präsident des Verbands der Familienunternehmen, eine noch bessere Abfederung von Unternehmen, die mit vorgeschalteten Sanierungsmaßnahmen gesunden könnten. Sie befürworten tendenziell die im Bundesjustizministerium derzeit diskutierte mögliche Verlängerung des Aussetzen der Pflicht zur Insolvenzanmeldung über den 30. September hinaus
Die Kehrseite dessen wäre jedoch, dass auch Unternehmen von einem solchen Schritt profitieren könnten, die bereits vor der Krise nicht mehr gesund waren und unabhängig davon Insolvenz hätten beantragen müssen.
Lucas Flöther, der Vorsitzende des Gravenbrucher Kreises der wichtigsten Sanierungsexperten in Deutschland, befürchtet, dass jede Verlängerung der Ausnahmeregelung zur Insolvenzanmeldungspflicht mehr Zombie-Unternehmen im Markt halte, die keine Marktperspektive mehr hätten.
Die Folge davon wären nicht nur vermeidbare Zahlungsausfälle für Gläubiger, sondern auch Marktverzerrungen: Die nicht mehr sanierbaren Unternehmen würden Arbeitskräfte binden, die gesunden Unternehmen fehlen würden, und durch Verbleib auf dem Markt die Preise drücken – was zu Lasten der Gewinnmargen der überlebensfähigen Unternehmen ginge. Euler Hermes geht für die gesamte Euro-Zone von etwa 13.000 Firmen mit Umsätzen von rund 500 Milliarden Euro aus.
Schutzschirm als Chance
Der dritte entscheidende Faktor hängt auch indirekt mit dem Insolvenzrecht zusammen, aber auch mit den Rahmenbedingungen für die Erholung der Unternehmen nach dem Lockdown: Es sind die Grenzen der Staatshilfe und der nach mehreren teuren Hilfspaketen immer engere Spielraum der öffentlichen Hand.
Das Schutzschirmverfahren, das seit 2012 existiert, ist je nach Stellung des Unternehmens, das es beantragt, eine Chance oder ein Anfang vom Ende. Im Fall der Lufthansa wäre ein solcher Antrag – der immerhin vor dem Insolvenzgericht gestellt werden muss – mit der Botschaft von einem Glas verbunden gewesen, das halbleer wäre.
Hingegen ist es für Kleinunternehmen und Mittelständler häufig ein Impuls, noch einmal durchzustarten, weil die Situation nicht so schlimm zu sein scheint, dass die Insolvenz unausweichlich sei – sondern ausreichend Potenzial vorhanden sei, um sich mit einem Sanierungskonzept, das in eigener Verwaltung durchgesetzt wird, neu zu erfinden.
Auch gegenüber Lieferanten und Gläubigern erhöht das Schutzschirmverfahren den Spielraum, weil diese lieber die Chance wahren, mit einem sanierten Unternehmen dauerhaft weiter Geschäfte zu machen, als sich im Insolvenzfall mit einer Minimalquote zufriedenzugeben. Ein Fachmann muss im Vorfeld dieser Lösung dem betroffenen Unternehmen bescheinigen, dass eine Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung droht, aber nicht vorliegt. Ob dies bei vielen Unternehmen noch möglich bleibt, die im Herbst finanziell mit dem Rücken zur Wand stehen, ist jedoch fraglich.

Verbindlichkeiten der Unternehmen steigen weiter
Dennoch scheint in einer Zeit fehlender verbleibender Spielräume für aktive Hilfen diese Sonderform des Insolvenzverfahrens eines der letzten Mittel des Staates, um Pleiten abzuwenden. Ein anderes wäre möglicherweise ein Überdenken politischer Entscheidungen der vergangenen Jahre, die zu immer größeren Belastungen für Unternehmen geführt hatten.
Die Verbindlichkeiten der Unternehmen sind tendenziell jedenfalls weiter gewachsen. Mittlerweile, so das Handelsblatt, haben fast 76.000 Firmen und Selbstständige allein bei der staatlichen Förderbank KfW Anträge im Volumen von gut 50 Milliarden Euro gestellt. Genehmigt sind davon bis dato mehr als 96 Prozent.
Der vierte entscheidende Faktor, der zu beachten sei, sei das Phänomen von „Distressed Equity“. Dies bezeichnet eine Situation, in der finanziell gut ausgestattete Beteiligungsspezialisten auf Schnäppchenjagd gehen und versuchen, strategische Positionen in Unternehmen auszubauen, die infolge der Krise günstige Einstiegschancen bieten.
Das Handelsblatt spricht zwar davon, dass Finanzinvestoren in Zeiten der Corona-Krise selbst noch zurückhaltend seien und auf Notverkäufe und noch niedrigere Preise warteten. Je länger man warte, umso mehr werde die Frage des Einstiegs zu einem Glücksspiel.
Neben Private-Equity-Branche macht sich Regime in China startbereit
Immerhin, so der Informationsdienst Prequin, sei von weltweit 1,48 Billionen US-Dollar an Kapital auszugehen, das von Beteiligungsunternehmen grundsätzlich für Investitionen vorgesehen sei, aber noch brachliege. Die Suche sei jedoch intensiv, meint Joachim Ringer von Credit Suisse gegenüber dem Handelsblatt, und die Frage, ob ein Target noch günstig bewertet sei, wäre immer schwieriger zu beantworten. Der Gorbatschow-Spruch „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ scheint auch in diesem Bereich Geltung zu haben.
Im Herbst könnten unter dem Eindruck sich abzeichnender Insolvenzwellen Notverkäufe einsetzen, auf die Private-Equity-Größen jetzt schon warten.
Eine weiterer Ausdehnung der geltenden Corona-Insolvenzregeln könnte eine Marktverzerrung nach sich ziehen, die am Ende keinem der Beteiligten nutzen würde.

Neben Private-Equity-Größen könnten jedoch noch ganz andere Interessensträger auf Schnäppchenjagd gehen und strategische Positionen aufbauen wollen. Einer davon ist das totalitäre Regime der Kommunistischen Partei Chinas. Die Staatspartei, die mit öffentlichen Mitteln großzügig ausgestattete Konzerne bei ihrer weltweiten Expansion unterstützt, hat ebenfalls ein Auge auf mögliche Schwachstellen, die man strategisch vereinnahmen könne.
Erst jüngst hat der chinesische Social-Media-Gigant Tencent Anteile von Warner Music in den USA eingekauft und damit einen weiteren Fuß in die Tür der westlichen Unterhaltungsindustrie gesetzt. Tencent ist unter anderem bekannt dafür, über seine Plattform WeChat chinesische Bürger für das Regime auszuspionieren und zu überwachen.

Quelle: "CORONA_PLEITEWELLE"
Unter Irrationalisten, Träumern und Realitätsleugnern (v. Wolfgang Prabel)

Irrationalisten, Träumer und Wissenschaftsfeinde machen sich in Medien und Universitäten breit: Der Rückfall in den intellektuellen Spätwilhelminismus.
Die Kultur des beginnenden 19. Jahrhunderts stand trotz einiger Brüche im Wesentlichen noch in einer christlich-humanistischen Tradition. Ab 1835 entstanden Risse in der biedermeierlichen Gesellschaftsfassade. Intellektuelle wie Ludwig Feuerbach, Max Stirner, Bruno Bauer, Karl Marx, Friedrich List, Arthur Schopenhauer, Richard Wagner und Friedrich Nietzsche begannen nicht nur am Putz zu kratzen, sondern auch die kulturellen Fundamente zu untergraben. Aber zunächst handelte es sich um Einzelne. Das Ende der Periode der Volksbildung und Aufklärung, des technischen Fortschritts und der beginnenden Demokratisierung der Gesellschaft begann sich erst vage abzuzeichnen.
Denn noch gab es Gegenkräfte. Wilhelm von Humboldt war dabei, die Fundamente für ein bürgerliches Bildungsideal zu legen. Sowohl was die Volksbildung betraf, als auch die Gründung einer Universität in Berlin war er sehr aktiv, während sein Bruder die Welt bereiste und die Grundlagen der Geografie schuf. Das 19. Jahrhundert war noch ein Jahrhundert der Wissenschaft. Wilhelm von Humboldt war klar, wo seine Feinde zu verorten waren, im Staatseinfluss:

„Der wahre Zweck des Menschen – nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welche die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt – ist die höchste und proportionirlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen. Zu dieser Bildung ist Freiheit die erste, und unerlassliche Bedingung. […] Gerade die aus der Vereinigung Mehrerer entstehende Mannigfaltigkeit ist das höchste Gut, welches die Gesellschaft giebt, und diese Mannigfaltigkeit geht gewiss immer in dem Grade der Einmischung des Staats verloren. Es sind nicht mehr eigentlich die Mitglieder einer Nation, die mit sich in Gemeinschaft leben, sondern einzelne Unterthanen, welche mit dem Staat, d. h. dem Geiste, welcher in seiner Regierung herrscht, in Verhältniss kommen, und zwar in ein Verhältniss, in welchem schon die überlegene Macht des Staats das freie Spiel der Kräfte hemmt. Gleichförmige Ursachen haben gleichförmige Wirkungen. Je mehr also der Staat mitwirkt, desto ähnlicher ist nicht bloss alles Wirkende, sondern auch alles Gewirkte. […] Wer aber für andre so räsonnirt, den hat man, und nicht mit Unrecht, in Verdacht, dass er die Menschheit miskennt, und aus Menschen Maschinen machen will.“
Gewaltverherrlichung und Elitarismus
Diese Epoche der Verbürgerlichung und Verwissenschaftlichung dauerte von 1750 bis etwa 1880 und wird mit dem seltsamen Begriff „Sattelzeit“ beschrieben. Der Sattel ist der Gipfel einer Diagrammkurve, die in diesem Fall Fortschrittsglauben darstellt. Die Begriffe Sattel und Wanne gibt es noch heute in der Straßenplanung.
Mit dem Ende des Biedermeier begann die Gegenbewegung des Irrationalismus. Die Angriffe der reformistischen Ideologen richteten sich mit zunehmendem Wohlstand gegen den technischen Fortschritt und die empirische Wissenschaft. Es war eine Welle der Wohlstandsverwahrlosung, wobei man freilich anmerken muss, dass Reichtum damals wesentlich ungleicher verteilt war, als heutzutage. Sie ergriff das Bildungsbürgertum.
In Deutschland gewann um die Jahrhundertwende Friedrich Nietzsche Einfluss auf Intellektuellenkreise, die zunächst den Jugendstil und den Expressionismus als Ausdrücke von vermeintlicher Modernität entwickelten und vorantrieben. Nietzscheanismus war vor allem Kult des Natürlichen, Gewaltverherrlichung und Elitarismus. Die Angriffe richteten sich auch gegen die erkennende Wissenschaft, als Zweifel an der Sinnhaftigkeit wissenschaftlicher Erkenntnis.

„In irgend einem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernden ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Thiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmüthigste und verlogenste Minute der Weltgeschichte: aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Athemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Thiere mußten sterben. So könnte jemand eine Fabel erfinden und würde doch nicht genügend illustriert haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur ausnimmt.“
So schrieb Nietzsche in „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn“. Mit der Ablehnung der Annäherung an die Wahrheit durch langsam voranschreitende Erkenntnis wurde letztlich denen das Tor weit geöffnet, die unter welchen Vorwänden auch immer die Welt mit wenig erprobten neuen Gesetzen regieren wollten. Das aufgestoßene Tor eröffnete den Weg auf eine breite Reform- und Versuchsstrecke, die an ihrem Ende in einer kolossalen Sackgasse endete, an deren Ende große Öfen standen. Im Kaiserreich lag die Kinderstube der neuen Reformideen, die Jugendzimmer waren die Unterstände des Weltkriegs, die Weimarer Republik steuerte eine Experimentierküche bei, in der versucht wurde, aus den ungeeigneten Zutaten des Elitarismus ein parlamentarisches Süppchen zu kochen und im Dritten Reich endlich brach die Kellerperiode des Reformismus an: im Heizungskeller und in gefliesten Waschräumen wurde mit vollem Dampf auf die lange prophezeite Reinigung hingearbeitet, die sich als das entpuppte, was die bleichen Schwabinger Literaten vorausgesagt hatten: als Reinigungskatastrophe.
Die Befindlichkeit der Bildungsbürger des ausgehenden 19. Jahrhunderts und insbesondere der Lebensreformer war trotz oder gerade wegen der Fortschritte auf allen Gebieten zivilisationspessimistisch. Dieser Pessimismus wechselte sich oft ohne Übergänge mit Überschwang ab. So auch bei Nietzsche. Angriffe gegen die Verwissenschaftlichung des Lebens verbunden mit einem virulenten Kulturpessimismus wechselten sich mit Phantasien vom Übermenschen und einer neuen Kulturperiode ab. Solch ein Hin- und Her zwischen Vorwärts und Rückwärts, zwischen schnell und langsam, zwischen Groß- und Kleinmut, zwischen Macht und Ohnmacht ist Umbruchperioden eigen.
Ein neues Lebensgefühl der Machbarkeit und des Aufbruchs
Die von Nietzsche propagierte Umwertung der Werte wurde von Adolf Hitler und der derzeitig in den Staatsmedien herrschenden Wokeness so verstanden, wie Nietzsche sein Schlagwort gemeint hatte, als Zeichen zum Großangriff auf den bürgerlichen Status Quo. Die Umwertung der Werte stand im selben gesellschaftlichen Umfeld wie Wilhelms „Ich führe euch herrlichen Zeiten entgegen“, „Alles muß anders werden“ oder „Wir wollen niemanden in den Schatten stellen, aber wir wollen auch einen Platz an der Sonne.“ Auch „Wir schaffen das“ gehört in diese Schublade.
Nietzsches Reformhaus führte einige Produkte, die bei der Reformkundschaft gut ankamen. Sie bedienten ein neues Lebensgefühl der Machbarkeit und des Aufbruchs in große Weiten und große Zeiten. Zurück zu den Wurzeln war gerade nicht in, fort in kosmogene Weiten, fort in kosmogene Gedanken, Aufbruch zu neuen Ufern. Wer denkt da nicht an die Klimapropaganda und Dr. Merkels grenzenhassende Horizontlosigkeit. Der „Übermensch“, die „blonde Bestie“, die „Sklaven- und Herrenmoral“, das „unwerte Leben“, der „Wille zur Macht“, das waren Propagandapässe, die nicht nur dem Adolf Hitler in den Lauf gespielt wurden. Nietzsche drohte:

„Ich kenne mein Loos: Es wird sich einmal an meinen Namen die Erinnerung an etwas Ungeheueres anknüpfen, an eine Krisis, wie es keine auf der Erden gab, an die tiefste GewissensCollision, an eine Entscheidung heraufbeschworen gegen Alles, was geglaubt, gefordert geheiligt worden war…Denn wenn ein Vulkan in Thätigkeit tritt, so haben wir Convulsionen auf Erden, wie es noch keine gab. …es wird Kriege geben, wie es noch keine auf Erden gab“.
Wer war Nietzsche nun eigentlich? Seine Philosophie spiegelte den Zeitgeist, der nach vielen Volten zum Nationalsozialismus und zur aktuell um sich greifenden Entdemokratisierung führte, am treffendsten. Seine Schlagworte fokussierten die im Raume umherschwirrenden Gedanken auf einen Punkt. Seine Ablehnung einer 2000jährigen christlichen Tradition ermöglichte das Vorstoßen in längst zurückgelassene politische und moralische Räume, in mühsam erkämpfte moralische Tabuzonen. Nietzsche war nicht nur der schöpferische Createur eines unchristlichen Krieges der Starken gegen die Schwachen, sondern er war das Medium der rückständigen deutschen Gesellschaft, in der nicht die produktiven Kräfte, sondern um mit Marx zu sprechen, die zur Illusion privilegierten Stände, die Ideologen, Schulmeister, Redakteure, Studenten und Tugendbündler den Ton angaben. Nietzsche schrieb:

° „Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden soll. Was habt ihr gethan, ihn zu überwinden?“
° „Was ist der Affe für den Menschen? Ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham. Und ebendas soll der Mensch für den Übermenschen sein: ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham.“
° „Der Übermensch ist der Sinn der Erde. Euer Wille sage: der Übermensch sei der Sinn der Erde!“
° „Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Thier und Übermensch – ein Seil über einem Abgrunde.“
° „Ich sage euch: man muß noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.“
° „Zu meinem Ziele will ich, ich gehe meinen Gang; über die Zögernden und Saumseligen werde ich hinwegspringen. Also sei mein Gang ihr Untergang!“
° „Von allem Geschriebenen liebe ich nur Das, was Einer mit seinem Blute schreibt. Schreibe mit Blut: und du wirst erfahren, dass Blut Geist ist.“
° „Die Luft dünn und rein, die Gefahr nahe und der Geist von einer fröhlichen Bosheit: so paßt es gut zueinander.“
°„Ihr sollt den Frieden lieben, als Mittel zu neuen Kriegen. Und den kurzen Frieden mehr als den langen.“
° „Der Krieg und der Muth haben mehr große Dinge gethan, als die Nächstenliebe. Nicht euer Mitleiden, sondern eure Tapferkeit rettete bisher die Verunglückten.“
° „Der Mann soll zum Kriege erzogen werden, und das Weib zur Erholung des Kriegers: Alles andere ist Thorheit.“

Gesellschaft ohne Gott
Das hauptsächliche Problem war: Nach der Abkehr von Gott hatte der Mensch keine übergeordnete Instanz mehr, die an guten und schlechten Tagen zur Seite stand: An guten Tagen hatte Gott den Triumph und Übermut gedämpft; an schlechten die Verzweiflung. Er hatte dem Egoismus Schranken gesetzt und notwendige Entscheidungen mitgetroffen. Er hatte Geduld und Fleiß eingefordert und Mut verliehen. Nach dem Tode Gottes war der Mensch auf sich selbst gestellt. Und von der ersten Minute seines Eigenlebens kam er auf Abwege, derzeit vor allem auf Irrlehren der Klima- und Coronareligion.
Aus dem Übermenschen wurde der für die Zucht ausgewählte SS-Mann, der Abgrund hieß KZ, die Abschaffung des Mitleids nannte sich Euthanasie, und den begehrten Krieg gab es gleich im Doppelpack. Der Friede dazwischen wurde nicht sehr geliebt und zur Vorbereitung des nächsten Krieges benutzt. So wie Nietzsche in Naumburg und im nachklassischen Weimar an einer neuen Philosophie bosselte, seine Kritik über Empirismus und Vernunft ausgoß, das Handwerk, die Natur und den Übermenschen pries, so hatte in England bereits in den sechziger Jahren der Phantasyautor und utopische Sozialist William Morris mit der Bekämpfung der „kulturzerstörenden“ Einflüsse der Industrialisierung begonnen. Er belebte alte Handwerkstechniken, um wieder zur mittelalterlichen Produktionsweise zurückzufinden. Neben seiner handwerklichen Tätigkeit lernte er das Isländische und übersetzte Heldensagen ins Englische. Bei der Produktion seiner Wandteppiche setzte er auf die ornamentale Fülle mittelalterlicher Vorbilder. Morris wird als Vater des Jugendstils verehrt.
Die nietzscheanische Kulturrevolution hatte das Bildungsbürgertum des Spätkaiserreichs unterwandert und radikalisiert, antidemokratische Affekte vor und nach dem Ersten Weltkrieg beweisen das: „Der Krieg ist groß und wunderbar“ faselte 1914 selbst der sonst so nüchterne Max Weber, um sich wenige Wochen später wieder zu fangen.
Georg Simmel erwartete das Weichen des Mammonismus zugunsten einer neuen Gemeinschaft. Friedrich Naumann, Georg Heym, Robert Musil stimmten ein. Thomas Mann litt wie so viele unter dem manischen spätkaiserzeilichen Waschzwang:
„Krieg! Es war eine Reinigung, Befreiung, was wir empfanden, und eine ungeheure Hoffnung.“ „Was die Dichter begeisterte, war der Krieg an sich selbst, als Heimsuchung, als sittliche Not. Es war der nie erhörte, der gewaltige und schwärmerische Zusammenschluß der Nation in der Bereitschaft zur tiefsten Prüfung – einer Bereitschaft, einem Radikalismus der Entschlossenheit, wie sie die Geschichte der Völker vielleicht bisher nicht kannte. Aller innerer Haß, den der Komfort des Friedens hatte giftig werden lassen – wo war er nun?
“ (…) „Wie hätte der …Soldat im Künstler nicht Gott loben sollen für den Zusammenbruch einer Friedenswelt, die er so satt, so überaus satt hatte.“
Heutige Irrationalisten, Träumer, Realitätsleugner
Nach einigen Jahrzehnten der wissenschaftlichen Betrachtung von Wirtschaft und Gesellschaft – etwa von 1950 bis in die 90er Jahre – haben sich die Irrationalisten, Träumer, Realitätsleugner und Wissenschaftsfeinde vor allem in den Staatsmedien und Universitäten breit gemacht. Genderstudies und Minderheitenrücksichten haben mit Fortschritt nicht das geringste zu tun. Es sind Rückfälle in den intellektuellen Spätwilhelminismus.
In irgendeinem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sternen ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem verblödete Pseudoelitäre in Redaktionen und Unis Gender und Wokeness erfanden. Es war die hochmüthigste und verlogenste Minute der Weltgeschichte: Aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Jahrzehnten der Misswirtschaft war das Geld für diesen Unsinn alle, und die Klugscheißerlein mußten sich einen Job als Holzhacker oder Erntehelfer suchen…

Quelle: "REALITÄTSLEUGNER_TRÄUMER"

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  • Erstellt von meineHeimat In der Kategorie Allgemein am 27.07.2020 18:54:00 Uhr

    zuletzt bearbeitet: 27.07.2020 20:07
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