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"FRANKREICH"

"FRANKREICH"

03.10.2020 19:52

Während meiner Studentenzeit war die für die Paarbildung entscheidende Frage, wo man politisch stand: Für oder gegen den Vietnamkrieg? Das Palästinensertuch? Wie hältst du es mit Fidel Castro? Ho Chi Minh? Che Guevara? Muammar Gaddafi? Nixon?
Heute scheint es auf andere Bekundungen anzukommen: Glaubst du, dass es sechs Geschlechter gibt? Oder sechzig? Oder vierundsechzig? Oder darf’s ein bisschen mehr sein? Genderpünktchen, Unterstrich, Unisex-Toiletten, Frau Feldwebelin – das Karussell der Absonderlichkeiten, mit dem sich nicht nur Studierende(!) beschäftigen, sondern auch Eliten in Medien, Politik und nicht zuletzt die Duden-Redaktion, dreht sich immer schneller.
Gibt es in Zeiten der Sorge um den Verlust des Arbeitsplatzes als Folge der Corona-Pandemie, einer drohenden Weltwirtschaftskrise, obszöner Ungleichheit in der Verteilung des Reichtums und im Zeichen eines neuen Kalten Krieges, der beinahe täglich in einen heißen Nuklearkrieg umkippen könnte, keine anderen Probleme?
Doch das alles ist der beinahe zwingende Endpunkt einer Sonderentwicklung, die in Europa vor rund 500 Jahren einsetzte. Das europäische Nachdenken über Welt und Mensch wird seit der Frühen Neuzeit durch zwei unterschiedliche, aufeinander bezogene, sich überlagernde und teilweise gegenseitig verstärkende, dann wieder gegenläufige Tendenzen bestimmt: den Universalismus und die permanente Emanzipation. Es muss die Aufgabe der Historiker bleiben, die einzelnen Schritte des Mit- und Gegeneinanders dieser Tendenzen und der involvierten wirtschaftlichen und politischen Faktoren eines in sich selbst rückgekoppelten Prozesses herauszuarbeiten. Mir kommt es an dieser Stelle nur darauf an, in großen Linien einen Vorgang darzustellen, der in anscheinend logischer Konsequenz zu den gesellschaftlich-kulturellen Erscheinungen führt, die uns heute so irritieren. (von Thomas Bargatzky)
"Der Rechtsstaat Österreich steht vor riesigen Herausforderungen – auch auf internationaler Ebene. Mit dem EU-Beitritt ist eine teilweise Abgabe staatlicher Souveränität und eine teilweise Überlagerung unseres Rechtsbestandes durch EU-Recht einhergegangen. Die Bedingungen, unter denen das passierte, sind allerdings im Laufe der Zeit völlig verwischt und zum Teil in den letzten Jahrzehnten ad absurdum geführt worden. „Ohne nationalen Selbstbehauptungswillen wird sich Brüssel von der Idee des undemokratischen Zentralstaats nicht abbringen lassen", warnte FPÖ-Verfassungssprecherin Susanne Fürst unter Verweis auf den Staatsanleihenkauf im Schatten der Corona-Krise und den Beschluss eines Billionen-Budgets, das in den Haushalt der EU fließe. Die österreichischen Steuerzahler müssen das zu einem Teil berappen, dürfen aber nicht mitreden, wie dieses Geld ausgegeben wird – wir müssen es dann lediglich zurückzahlen. „Das alles ist glatter Rechts- und Verfassungsbruch und greift in die nationalen Verfassungen ein, so auch in unsere Verfassung", betonte Fürst." (FPÖ_TEAM)
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Der totalbefreite Mensch


In einer „Welt ohne Grenzen“ soll sich das „souveräne Individuum“ als „Weltbürger“ zu Hause fühlen. Der Mensch als Produkt eines sektenartigen Eliten-Milieus.
Vom Investiturstreit (1076-1122) bis zur Französischen Revolution trennten sich in Europa Kirche und Staat immer weiter voneinander. Das Erkennen löste sich von der Autorität der Heiligen Schrift und des Kollektivs. Wissen und Erkennen wurden dem zugänglich, der die Instrumente des Wissenserwerbs, der Erklärens und Begründens unter der Leitidee der Objektivität erlernt hat und sie anzuwenden versteht – unabhängig von Alter, Herkunft, und Nation. Das autonome Bewusstsein wurde zur letzten Erkenntnisquelle. Die soziale und mentale Individualisierung setzte einerseits Kräfte der Innovation und des Erkenntnisfortschritts für die Entwicklung von Wissenschaft, Industrie und Marktwirtschaft frei, die die Voraussetzungen für die Aufrichtung der europäischen Weltdominanz seit ca. 1500 schufen. Andererseits wurde die Moderne auch das Zeitalter der vereinfachenden Ideologien mit ihrem universellen Wahrheitsanspruch ohne Rückbindung an eine anthropologische, soziale und politische Realität.
Unter diesen Bedingungen konnte sich eine Eigenart europäischen Denkens entfalten, deren Ursprünge Ursprünge in der Antike liegen. Sie mündete in den christlichen Monotheismus ein und dominierte schließlich, auch in säkularisierter Form, Denken und Handeln: der Drang zur Universalisierung, die dem Wunsch entspricht, die Welt einheitlich, aus einem Prinzip heraus, erklären zu wollen. Dieser Anspruch gewann in den universalistischen Ideologien der Moderne eine politische Dimension und kleidet sich heute seitens des Westens in das universalistische Plädoyer für Menschenrechte, Demokratie, gute Regierungsführung und, ganz allgemein, für „unsere Werte“. Die neue offizielle „Religion“ ist der „Kapitalismus als Religion".
Mission, Millennium und „manifest destiny“
Betrachten wir die Entfaltung dieses universalistischen Programms im Raum westlicher Kultur und Zivilisation etwas genauer. Die erste große Welle des global ausgerichteten universalistischen Enthusiasmus wurde im 16. Jahrhundert von spanischen Franziskaner-Mönchen in Amerika getragen. Sie waren mit der Mission im Gefolge der Aufrichtung der spanischen Herrschaft und der Gründung des Vizekönigreichs Neuspanien beauftragt. Als Spanier waren sie zutiefst von der Überzeugung durchdrungen, dass die eigene Kultur, Gesellschaft und Religion allen anderen überlegen sei und dass es daher ihr Recht und ihre Pflicht sei, weltweite Konformität mit ihren geheiligten Prinzipien durchzusetzen.
Die Franziskaner-Missionare hatten darüber hinaus die Lehren des im 12. Jahrhundert wirkenden Apokalyptikers Joachim von Fiore (ca. 1135-1202) verinnerlicht. Joachim und seine Anhänger predigten die unmittelbar bevorstehende Wiederkehr Christi und die Aufrichtung seines tausendjährigen Friedensreiches, des Millenniums, falls eine erneuerte katholische Glaubenslehre weltweit durch neue geistliche Orden verbreitet werden würde. Amerika verstand man damals ja noch als Teil Asiens, als „Indien“, und viele Franziskaner sahen sich selbst zu Beginn des 16. Jahrhundert in der Pflicht, durch die Bekehrung aller Einwohner dieses Kontinents die Voraussetzung für den Anbruch des Millenniums zu schaffen.
Die frühe Neuzeit ist auch die Geschichte der Emanzipation vom Universalismus der Römischen Kirche und ihrem politisch wirksamsten Instrument, dem Habsburger-Reich. Der im Dreißigjährigen Krieg ausgefochtene Emanzipationsprozess führte zur Entstehung der modernen europäischen Staaten und ihrer multipolaren imperial-kolonialen Weltdominanz. In dieser Staatenwelt war jedoch durch die Entstehung des modernen Weltsystems des flüchtigen Kapitals, das keine Grenzen kennt, bereits der Keim zu ihrer Schwächung angelegt. Gleichsam aus dem Schoß dieser Staatenwelt entsprang nämlich unter dem Einfluss von Kapitalismus und Aufklärung mit ihrer Betonung von Freiheit, Gleichheit und Individualismus in den Vereinigten Staaten von Amerika ein neuer, stetig an Macht gewinnender Mitspieler im Staatensystem.
Spätestens seit dem mittleren 19. Jahrhundert sahen sich die USA zu dem offenkundigen Schicksalsauftrag (manifest destiny) berufen, der Welt als leuchtendes Vorbild zu dienen. Im Laufe der Zeit erwuchs daraus die Überzeugung von der Notwendigkeit, die Welt auch nach eigenem Bild umzuformen und von den „Fesseln“ ihrer Traditionen zu emanzipieren. Victor Marchetti, ein ehemaliger CIA-Mitarbeiter und John D. Marks, ein ehemaliger Beamter im US-Außenministerium, legten 1974 ein Buch vor, in dem sie dieses Denken und seine fatalen Folgen für die Weltgemeinschaft in aller Deutlichkeit offenlegen: Demnach herrsche „bei den Spitzenbeamten der Nation, in der CIA und anderswo das starke Gefühl vor, daß Amerika für das, was in anderen Ländern geschieht, verantwortlich ist, und daß es ein unveräußerliches Recht habe – einen offenkundigen Schicksalsauftrag -, sich in die internen Angelegenheiten anderer Länder einzumischen … Intervention, entweder militärisch oder geheim, ist immer noch die Regel". Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Von der Klasse über die Rasse zum Weltstaat – oder zur Kasse?

Dem Universalismus der Demokratie (nach US-Vorbild), der Freiheit und der Menschenrechte erwuchsen seit dem späten 19. Jahrhundert zwei konkurrierende Bewegungen, die sich im 20 Jahrhundert voll entfalteten: die Herrschaft der Klasse und die Herrschaft der Rasse: „Für Marx ist bekanntlich alle Geschichte eine Geschichte von Klassenkämpfen. Für Hitler war alle Geschichte eine Geschichte von Rassenkämpfen um Lebensraum … Das Schicksal der Kulturen hängt davon ab, ob sie jeweils die richtige Antwort (auf die Rätselfragen der Geschichte, ThB) finden“. Arnold Toynbee hält die Antwort bereit: „Sie heißt Weltstaat und Universalreligion“.
Nach dem Sieg über den universalistischen Trotzkismus verabschiedete sich die Sowjetunion zwar nicht rhetorisch, wohl aber in der Praxis von der Idee der weltweiten Herrschaft der Klasse unter dem Banner einer kommunistischen „Universalreligion“. Natürlich betrieb sie Machtprojektion und wollte Anhänger und Verbündete im Rest der Welt gewinnen, aber ihre Führer hatten niemals vom Pathos des Nationalismus und Patriotismus gelassen.
Die Sowjetideologie lässt sich als ein Mittel zur Umsetzung der Formel „Make Russia Great Again“ lesen, deren amerikanische Variante in den Tagen Donald Trumps ja allgemein bekannt ist. Für den Georgier Stalin war Russland das adoptierte Vaterland, das er groß machen wollte und mit ihm sich selbst und in dem er seine Herrschaft durch ein blutiges Terror-Regime zementierte. Seine Nachfolger suchten ohne den stalinistischen Terror ein koloniales Reich zusammenzuhalten, dessen Glieder zwar nominell als Nationalstaaten galten, deren Grenzen, besonders im asiatischen Teil, aber so gezogen waren, dass nur Moskau der Nutznießer war.
Ob Hitler einen universellen Weltstaat unter dem Banner der Herrschaft der „arischen Rasse“ errichten wollte oder „nur“ ein nach Osten durch die Gewinnung von „Lebensraum“ erweitertes deutsches Europa, mögen Historiker entscheiden. Hitlers Millennium dauerte zwar nur zwölf Jahre, sein Einfluss war jedoch viel verhängnisvoller. Er wirkt bis in die Gegenwart nach, da der Verweis auf das Dritte Reich als nützlicher Hebel zur Diffamierung aller Personen und Bestrebungen dient, die sich universalistischen Machtprojektionen widersetzen und nationale Eigenständigkeit und Souveränität bewahren wollen.
Die verordnete Emanzipation von der Nation wird jedenfalls seit dem Ende der Sowjetunion im neuen Kalten Krieg der Gegenwart sehr viel wirksamer als je zuvor durch die Herrschaft der Kasse umgesetzt: die Herrschaft der Konzerne und Banken, die sich der Staaten – vor allem des derzeit mächtigsten Staates USA – als Instrument zur Durchsetzung ihrer Interessen bedienen: „corporatocracy“.
Moderne und Postmoderne: Der Angriff auf die Zwischeninstanzen
Bereits 1971, als Reaktion auf die Bewegung von 1968, schrieb Sebastian Haffner über die „permanente bürgerliche Revolution“ in einem Beitrag für den Norddeutschen Rundfunk:

„Die Revolution findet nicht in den Fabriken statt, sondern in den Schulen und Universitäten, in der Justiz und vor allem in den Familien. Das Pathos dieser gegenwärtigen Jugendrevolution ist emanzipatorisch, individualistisch und freiheitlich. Das heißt: es ist bürgerlich. Denn wenn die von Marx entdeckte … bürgerliche Revolution vom deutschen Bauernkrieg bis zur Pariser Kommune einen gemeinsamen Grundzug hat, dann ist es ihr Freiheitspathos, die Auflehnung des Individuums gegen gesellschaftliche Autoritäten und Zwänge, die nicht mehr als gottgewollt, sondern als willkürlich empfunden werden, die Ablehnung jeder nicht selbstgewählten Bindung, bis zu den Bindungen äußerlichster Konvention“.
Die bürgerliche Revolution begann zwar vor ca. fünfhundert Jahren mit dem Aufstand gegen die Allmacht der Kirche, sie schuf aber zunächst keine volle Säkularisierung, sondern eine Gegenkirche. Der Aufstand gegen den Feudalismus schuf keine volle Demokratie, sondern den Industriefeudalismus im Rahmen eines neuen Klassenstaats. „Und doch war das niemals das Ende der bürgerlichen Revolution. Die ursprünglichen Antriebe haben sich immer wieder neu belebt. Die Säkularisierung geht immer noch weiter, ebenso die Demokratisierung, und nach Kirche und Staat erfaßt gerade jetzt … die Revolution ein neues Gebiet: Sitte und Familie. Es ist immer noch erkennbar dieselbe Revolution, dieselbe bürgerliche Revolution“.
Haffners Ansatz können wir aufgreifen und in die Gegenwart hinein weiterdenken: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Ende des Warschauer Paktes proklamierte US-Präsident George H.W. Bush eine Neue Weltordnung der Freiheit und Menschenrechte in jedem Land der Erde. Francis Fukuyama, der Hof-Philosoph der amerikanischen Neokonservativen, verkündete den Sieg des „American way of life“ und folglich das „Ende der Geschichte“. Die Leitidee der nationalen Souveränität steht der Entfaltung der Neuen Weltordnung im Wege und muss delegitimiert werden.
UN-Generalsekretär Kofi Annan spielte in diesem Sinne in seiner Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 20. September 1999 den Begriff der „individuellen Souveränität“ (individual sovereignty) gegen den der staatlichen Souveränität aus: Der einzelne ist nicht mehr Bürger eines Staates, sondern „Bürger der Menschheit“. Als „global citizen“ ist er das Subjekt der Menschenrechte, die mehr und mehr permissiv im Einklang mit dem im Westen vorherrschenden hedonistischen Zeitgeist ausgelegt werden, nämlich als das Recht des Individuums auf größtmögliche Entfaltung seiner Eigenarten und Vorlieben.
Die Moderne schreitet auf dem Weg der permanenten Revolution und Emanzipation fort in die Postmoderne. Der Westen versucht mit aller Macht, sein universalistisches Modell global durchzusetzen. Letzten Endes sollen die Zwischeninstitutionen zwischen Individuum und Menschheit durch Netzwerke ersetzt werden, die weder Zentrum noch Peripherie haben. Sie sind Substrat und Infrastruktur der ökonomischen Globalisierung. Gesellschaft, Nation und Staat werden im Sandhaufen autonom gedachter Individuen überflüssig, es bleiben der Weltmarkt und der individuelle Konsument.
In dieser „Welt ohne Grenzen“ soll sich das „souveräne Individuum“ als „Weltbürger“ zu Hause fühlen. Dieses moderne souveräne Individuum erträgt den Gedanken an die Grenzen seiner Selbstbestimmung nicht. Die Erfahrung der Unverfügbarkeit bestimmter Bedingungen unseres Lebens, die wegzuarbeiten oder auch nur ändern zu wollen ein widersinniges Unterfangen wäre, ist ihm unerträglich. Daher erfasst die permanente Emanzipation jetzt das Individuum selbst in Form seiner Geschlechtlichkeit.
Insoweit ist das, was wir dieser Tage beobachten, nur die logisch-zwingende Konsequenz der permanenten bürgerlichen Revolution und Emanzipation. Es ist aber eben nur die Revolution eines sektenartigen Milieus von Eliten in Universitäten, Medien, Justiz und Politik, die sich auch sonst mit Lifestyle-Themen und Lifestyle-Minderheiten beschäftigen. Mit den Lebensproblemen der überwältigenden Mehrheit der Menschen unserer Gesellschaft hat das nichts zu tun. Es ist wie im Krieg: die Normalbürger in ihrer Mehrheit wollen ihn nicht, es sind die Politiker, die ihn herbeiführen und die Medien, die nach ihm rufen.
Das Ende der Emanzipation

Besonders in Deutschland wird der „Kampf gegen das Geschlecht“ mit dem bei uns in ideologischen Fragen üblichen Furor, mit einer Verbissenheit und Humorlosigkeit geführt, für den viele andere Länder kein Verständnis haben. Natürlich ist aber das Ende der Fahnenstange auch hier einmal erreicht. Was mit der Emanzipation der Staatenwelt von der Kirche begann, endet nun bei der Emanzipation des Individuums von sich selbst, bzw. seiner Geschlechtlichkeit. Der Umschlagpunkt ist erreicht, mehr Befreiung ist nicht möglich, es sei denn die politische Befreiung von der corporatocracy, der Macht der Banken und Konzerne, wofür dem Totalemanzipierten und mit sich selbst beschäftigten Individuum aber die Kraft fehlt.
Für die Beglückung des Rests der Welt mit dieser Art von Emanzipation auf reicht es aber auch nicht mehr, denn das Dilemma des Westens besteht ja darin, dass sein Leitimperium USA durch Überdehnung an seine Grenzen stößt und der totalbefreite souveräne global citizen“ immer weniger hat, worauf er sich sozial und mental stützen kann. Die von den sozialen Zwischeninstanzen und dem Geschlecht emanzipierte westliche Minderheit kann den Konkurrenten auf der Weltbühne, der überwältigenden Majorität, langfristig nur wenig entgegensetzen. Wie will man gegen den staatsfreundlichen asiatischen Konfuzianismus bestehen? Gegen Russland mit seiner zu neuer Stärke gekommenen Orthodoxie? Den Islam?
Die Bevölkerung der westlichen Welt umfasste 2018/19 nur eine Minderheit von knapp unter 12 Prozent der Weltbevölkerung und ihr Anteil dürfte sich in der Zukunft noch weiter verringern. Die globale Vormachtstellung des Westens wird zwar noch durch die gigantische Militärmaschine der USA gestützt, aber sie ist innerlich ausgehöhlt. Die Implementierung eines „Disaster Capitalism“ nach 1990, also der „Schock-Therapie“ der globalen Oktroyierung eines „Laissez faire Kapitalismus“, hat in Afrika, Asien und Lateinamerika zur Ermächtigung ökonomisch dominanter Minoritäten im Sold des Imperiums geführt, die Ablehnung und Hass seitens der immer mehr verarmenden Bevölkerungsmehrheit auf sich ziehen.
Die Sonderrolle Europas und die Dominanz des Westens mitsamt seinem Drang zur weltweiten Projektion seiner politischen, militärischen und ökonomischen Macht sowie zur Oktroyierung seiner universellen Weltdeutungsmuster, die sich im Lauf der vergangenen 500 Jahre herausgebildet und die Welt für etwa 200 Jahre beherrscht hat, könnte sich als Seitenweg der Weltgeschichte erweisen. Diese Sonderrolle, die auf der permanenten bürgerlichen Emanzipation und Revolution beruht, hat sich nun totgelaufen und es ist kaum anzunehmen, dass der Rest der Welt dem Beispiel des Westens folgt. Und das ist gut so.

Quelle: "WELT_ohne_GRENZEN"
Frankreich: Mehr Terrorismus, mehr Schweigen (von Giulio Meotti)

° Diese Form des Extremismus hat es auch geschafft, viele europäische Bürger in Gefangene zu verwandeln, Menschen, die sich in ihren eigenen Ländern verstecken, zum Tode verurteilt und gezwungen, in Häusern zu leben, die selbst ihren Freunden und Familien unbekannt sind. Und wir haben uns daran gewöhnt!
° "Dieser Mangel an Mut, in Charlies Fußstapfen zu treten, hat seinen Preis, wir verlieren die Redefreiheit, und eine heimtückische Form der Selbstzensur gewinnt an Boden. — Flemming Rose, Le Point, 2. September 2020.
° "Um es einfach auszudrücken, die Meinungsfreiheit ist weltweit in einem schlechten Zustand. Einschließlich in Dänemark, Frankreich und im gesamten Westen. Dies sind unruhige Zeiten; die Menschen ziehen Ordnung und Sicherheit der Freiheit vor." — Flemming Rose, Le Point, 15. August 2020.

Am 25. September wurden in Paris vor den ehemaligen Büroräumen von Charlie Hebdo, wo 12 Redakteure und Karikaturisten des Satiremagazins im Jahr 2015 von extremistischen Muslimen ermordet wurden, zwei Menschen niedergestochen und schwer verletzt. Gegen den Verdächtigen, der sich in Polizeigewahrsam befindet, wird wegen Terrorismus ermittelt.
Die angeklagten Mörder der Anschläge von 2015 stehen derzeit in Paris vor Gericht.
Kurz vor dem Messerstecher-Anschlag, am 22. September, kam Charlie Hebdos Personalchefin Marika Bret nicht nach Hause. Tatsächlich hat sie kein Zuhause mehr. Sie wurde nach schweren und konkreten Morddrohungen extremistischer Muslime zwangsgeräumt. Sie beschloss, ihre "Exfiltration" für den französischen Geheimdienst öffentlich zu machen, um die Öffentlichkeit auf die Bedrohung durch den Extremismus in Frankreich aufmerksam zu machen.
"Ich lebe seit fast fünf Jahren unter Polizeischutz", sagte sie der Wochenzeitung Le Point.

"Meine Sicherheitsbeamten erhielten spezifische und detaillierte Drohungen. Ich hatte zehn Minuten Zeit, um zu packen und das Haus zu verlassen. Zehn Minuten, um einen Teil meines Lebens aufzugeben, ist ein bisschen kurz, und es war sehr gewalttätig. Ich werde nicht mehr nach Hause gehen. Ich verliere mein Zuhause aufgrund von Hassausbrüchen, dem Hass, der immer mit der Drohung beginnt, Angst zu schüren. Wir wissen, wie es enden kann."
Bret sagte auch, dass die französische Linke den "Kampf für den Säkularismus" aufgegeben habe.
Seit Beginn des Prozesses gegen die Männer, die der Morde an Charlie Hebdo im Jahr 2015 beschuldigt wurden – und insbesondere seit der erneuten Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen – hat Charlie Hebdo Drohungen aller Art erhalten, auch von Al-Qaida. Die Sicherheit bei der satirischen Zeitschrift ist heute massiv. "Die Adresse unseres Hauptquartiers ist geheim, es gibt überall Sicherheitstore, gepanzerte Türen und Fenster, bewaffnete Sicherheitsbeamte, wir können kaum jemanden hineinlassen", sagte Bret.
Bret ist zu einem weiteren Beispiel für den heimlichen Charakter der Meinungsfreiheit in Frankreich, dem Land Voltaires, geworden. Der erste war Robert Redeker, ein Professor der Philosophie. Am 17. September 2006 stand er früh auf, um für Le Figaro einen Artikel über die Auseinandersetzung Europas mit dem Islam zu schreiben. Drei Tage später war er in einem sicheren Haus und auf der Flucht.

Letzten Januar machte Mila O., ein 16-jähriges französisches Mädchen, während eines Livestreams auf Instagram beleidigende Bemerkungen über den Islam.
"Während ihres Livestreams fragte sie ein muslimischer Junge in den Kommentaren nach einem Date, aber sie lehnte ab, weil sie homosexuell ist. Er antwortete, indem er sie des Rassismus bezichtigte und sie eine 'schmutzige Lesbe' nannte. In einem wütenden Nachfolgevideo, das unmittelbar nach ihrer Beleidigung ausgestrahlt wurde, antwortete Mila mit den Worten, dass sie 'Religion hasst'."
Mila fuhr fort und sagte unter anderem:
"Seid Ihr mit der Meinungsfreiheit vertraut? Ich habe nicht gezögert zu sagen, was ich denke. Ich hasse Religion. Der Koran ist eine Religion des Hasses; es gibt in ihm nur Hass. Das ist es, was ich denke. Ich sage, was ich denke... Der Islam ist Sch**ße... Ich bin überhaupt keine Rassistin. Man kann nicht einfach gegen eine Religion rassistisch sein... Ich sage, was ich will, ich sage, was ich denke. Eure Religion ist Sch**ße. Ich würde einen Finger in den Arsch Eures Gottes stecken..."
Nachdem die Adresse ihrer Schule in den sozialen Medien veröffentlicht worden war, war sie gezwungen, die Schule zu verlassen und an eine andere Schule zu wechseln, was diesmal geheim gehalten wurde.
Der Journalist Éric Zemmour wurde mehrmals vor seinem Haus angegriffen; auch die französisch-marokkanische Journalistin Zineb el Rhazoui fand die Adresse ihres Hauses in sozialen Medien veröffentlicht.
Unterdessen hat der französische Präsident Emmanuel Macron das Recht von Charlie Hebdo auf freie Meinungsäußerung verteidigt, was ihm zur Ehre gereicht. "Blasphemie", sagte er, "ist kein Verbrechen."
"Das Gesetz ist klar: Wir haben das Recht, Religionen zu lästern, zu kritisieren und zu karikieren. Die republikanische Ordnung ist keine moralische Ordnung ... was verboten ist, ist, Hass zu schüren und die Würde anzugreifen."
In einem Rechtsstreit aus dem Jahr 2007 wurde entschieden: "In Frankreich ist es möglich, eine Religion, ihre Figuren und ihre Symbole zu beleidigen ... die Beleidigung derjenigen, die einer Religion folgen, ist jedoch verboten."
Die mutigen Worte der französischen Behörden erscheinen jedoch harmlos, blass und stumpf, verglichen mit der Stärke der extremistischen Gewalt und Einschüchterung.
Der islamische Fundamentalismus hat es bereits geschafft, nicht nur Tausende von verfolgten Christen zu vertreiben – wie Asia Bibi, die nach ihrem Freispruch wegen Blasphemie um ihr Leben fürchten und von Pakistan nach Kanada fliehen musste. Diese Form des Extremismus hat es auch geschafft, viele europäische Bürger in Gefangene zu verwandeln, Menschen, die sich in ihren eigenen Ländern verstecken, zum Tode verurteilt und gezwungen, in Häusern zu leben, die selbst ihren Freunden und Familien unbekannt sind. Und wir haben uns daran gewöhnt!
Am Tag des iranischen Todesurteils gegen Salman Rushdie wegen seines Romans "Die Satanischen Verse" wurden er und seine Frau Marianne Wiggins vom britischen Geheimdienst aus ihrem Haus in Nordlondon in das erste von mehr als fünfzig "sicheren Häusern" gebracht, in denen der Schriftsteller die nächsten zehn Jahre lebte.
Der niederländische Parlamentarier Geert Wilders – dessen Name als nächster zu Ermordender auf einem Blatt Papier gefunden wurde, das mit dem Messer an den ermordeten Filmemacher Theo van Gogh geheftet wurde – lebt seit 2004 in sicheren Häusern. "Ich bin im Gefängnis", sagt er, "und sie laufen frei herum."
Vor zehn Jahren zeichnete eine Reporterin der Seattle Weekly, Molly Norris, aus Solidarität mit den gefährdeten Machern des Fernsehtrickfilms "South Park" ebenfalls eine Karikatur von Mohammed. Der letzte Zeitungsartikel, in dem über sie berichtet wurde, hieß es:
"Sie haben vielleicht bemerkt, dass der Molly-Norris-Cartoon in der Ausgabe dieser Woche nicht enthalten ist. Das liegt daran, dass es keine Molly mehr gibt... auf Anraten von Sicherheitsspezialisten des FBI wird sie umziehen und ihren Namen ändern..."
Die dänische Zeitung Jyllands Posten, die 2005 zum ersten Mal Karikaturen von Mohammed druckte, gab auf. Die Zeitung lehnte es ab, die Karikaturen des Propheten des Islam erneut zu veröffentlichen, als Charlie Hebdo sie erneut auf der Titelseite abdruckte. Der Herausgeber, der die Karikaturen bei Jyllands Posten veröffentlichte, Flemming Rose, wird immer noch von Leibwächtern begleitet. "Ich bewundere Charlies Mut wirklich", sagte er.
"Helden, die weder gegenüber Drohungen noch Gewalt nachgegeben haben. Leider erhielten sie nur begrenzte Unterstützung. Keine Publikation in Frankreich oder Europa verhält sich wie Charlie. Deshalb glaube ich, dass es in Europa ein ungeschriebenes Gesetz gegen Blasphemie gibt. Ich kritisiere nicht die Journalisten und Redakteure, die diese Entscheidung treffen. Wir können Menschen, die im Gegensatz zu Charlie nicht ihr Leben in Gefahr bringen, nicht die Schuld geben. Aber lassen wir uns nicht täuschen: Dieser Mangel an Mut, in Charlies Fußstapfen zu treten, hat seinen Preis, wir verlieren die Redefreiheit, und eine heimtückische Form der Selbstzensur gewinnt an Boden."
In den letzten Tagen wiederholte der neue Herausgeber von Jyllands Posten, Jacob Nybro:
"Wir werden sie nicht mehr veröffentlichen. Ich bestätigte diese redaktionelle Linie, als ich ankam und erhielt viel Applaus. Ich mag wie ein Feigling aussehen, aber wir können es nicht tun."
Die Namen der dänischen Karikaturisten erschienen auf der gleichen "Todesliste", die Al Qaida mit dem Namen des Chefredakteurs von Charlie Hebdo, Stéphane Charbonnier, veröffentlichte, der beim Massaker von 2015 ermordet wurde. Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard ist nur noch am Leben, weil er sich während eines Terroranschlags auf sein Haus versteckt hatte.
Heute verfügt das Hauptquartier von Jyllands Posten über kugelsichere Fenster, Metallgitter und -platten, Stacheldraht und Videokameras. Es befindet sich gegenüber dem Hafen von Aarhus, der zweitgrößten Stadt Dänemarks, und wird Tag und Nacht überwacht. Jede automatische Tür, jeder Aufzug erfordert einen Ausweis und einen Code. Sie geben sie ein, als ob es sich um einen Banktresor handeln würde. Eine Tür öffnet sich, und nachdem sie sich geschlossen hat, öffnet sich die nächste Tür. Die Journalisten, die dort arbeiten, betreten die Räumlichkeiten einer nach dem anderen. Um es einfach auszudrücken: "Die Redefreiheit ist weltweit in einem schlechten Zustand. Auch in Dänemark, Frankreich und im ganzen Westen", sagte Rose, "Dies sind unruhige Zeiten; die Menschen ziehen Ordnung und Sicherheit der Freiheit vor."
Wenn wir alle unsere Freiheiten nicht verteidigen, werden wir sie bald nicht mehr haben.

Quelle: "FRANKREICH_TERROR_SCHWEIGEN"

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  • Erstellt von meineHeimat In der Kategorie Allgemein am 03.10.2020 19:52:00 Uhr

    zuletzt bearbeitet: 03.10.2020 19:52
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