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"Produktion"

"Produktion"

09.09.2017 19:19

Aus Indien und Pakistan gibt es wichtigere Nachrichten als das Wetter
"Es ist heiß, der Asphalt schmilzt", so und ähnlich beginnen seit Jahren Sommernachrichten über Indien und Pakistan. "Garniert" mit Zahlen von Hitzetoten - fertig ist der Artikel. Doch im Sommer 2015 machte Redakteure des "Indian Express" die hohen Opferzahlen stutzig. Besonders die im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh: Wie sich herausstellte, zahlte die lokale Regierung jeder Familie eines Hitzeopfers umgerechnet 1400 Euro Entschädigung, und bei einer Nachuntersuchung kam heraus, dass mindestens 2 von 3 Hitzetoten eines natürlichen Todes gestorben waren.
Dann schwappte die Hitzewelle nach Pakistan und laut den Nachrichten aus Deutschland schienen die Menschen um mich herum Reihenweise umzufallen, nur dass ich das in Lahore nicht mitbekam. Es waren zwischen 36 bis 40 Grad Celsius und die Wochen davor bis 46 Grad Celsius, aber besonders viele Hitzeopfer gab es in Lahore nicht. Etwas später konkretisierte sich der Aufenthalt der Hitzewelle: Karatschi, wo sie für mehr als tausend Tote sorgte. Ein Blick aufs Wetter zeigte, dass in der südlichen Megametropole knapp über 40 Grad waren.
Versagen der pakistanischen Verantwortlichen
Wie in Lahore herrschte Ramadan, also konnte dies nicht der Hauptgrund für die vielen Toten in Karatschi sein. Ein Anruf in der Megametropole klärte auf: Neben der üblichen katastrophalen Wasserversorgung Karatschis kamen jetzt auch noch schwere Stromausfälle dazu. Es war also nicht allein die Hitze, sondern viel mehr ein Zusammentreffen verschiedener Umstände, die zu den "Hitze-Toten" geführt hatte und zwei Hauptursachen: Knappheit an sauberen Trinkwasser und Stromausfälle gingen auf das übliche Versagen der pakistanischen Verantwortlichen zurück.
Da klar war, was kommt - nach der Hitze der Monsun - sendete ich meinen "Hitze-Artikel", der die Begleitumstände in Karatschi beschrieb, zusammen mit dem Bild einer überschwemmten Straße ab, und fuhr in die Berge eine Schwimmmeisterschaft organisieren.
Als ich 6 Wochen später zurück in Lahore war, wurde in Deutschland schon kräftig über Hochwasser und Opfer in Pakistan berichtet. In den pakistanischen Zeitungen gab es keine besonderen Hochwassernachrichten. In der Region Chitral stiegen die Flüsse wie üblich über die Ufer und überspülten Häuser, die dort niemals gebaut hätten werden dürfen. In Lahore war es ebenfalls ein normaler Monsun. Es regnete einen Tag, dann standen die üblichen tiefliegenden Straßen unter Wasser, weil der Plastikmüll die Gullys verstopfte. Als alles halbwegs trocken war, regnete es wieder. An diesen Tagen war der halbstündige Gang zum Sport im Park nie langweilig, da im Schnitt ein halbes Dutzend Stromtransformatoren am Wegesrand explodierten. So wundert es nicht, dass die meisten Hochwasseropfer in Lahore nicht ertrunken waren, sondern starben, weil morsche Stromleitungen vor ihnen ins Wasser knallten - wie all die Jahre davor auch.
"Die Herrschenden werden aufhören zu herrschen, wenn die Kriechenden aufhören zu kriechen" (Friedrich v. Schiller)
(rjhCD6149)


Wie mangelnde Infrastruktur Migranten produziert (von Gilbert Kolonko)

Als dieses Jahr die üblichen Hochwassermeldungen aus Pakistan kamen, telefonierte ich mit Lahore und Karatschi: "Alles wie immer." Auch die Niederschlagswerte zeigten keine besondere Auffälligkeit an. Als dann die Bilder von überschwemmten Straßen in Karatschi liefen, mailte ich einen Freund, der jeden Tag durch die halbe Megametropole zur Arbeit muss, und bekam diese Antwort: "Monsoon in Khi was ok. Not much water but roads and sewerage in general is bad like its always the case here."
Ich bin kein Leugner des Klimawandels, aber um die Menschen darauf aufmerksam zu machen gibt es bessere Wege als jährliche übertriebene Hitzewelle-Überschwemmungsberichte aus Indien und Pakistan. Ja, in den Jahren 2010 und 2011 hatte es in Pakistan besonders schwere Hochwasser gegeben, aber auch dort waren große Teile der katastrophalen Auswirkungen auf die Bevölkerung Regierungsversagen geschuldet. Bis heute haben die Verantwortlichen Pakistans kaum etwas getan, das die Folgen eines erneuten schweren Hochwassers mindern würde.


Bevölkerungszahl versiebenfacht
Die Erde hat knapp 200 Länder mit eigenen Problemen - da sollte die Aufmerksamkeit der Leser nicht mit alljährlich übertriebenen Hitze-Überschwemmungsartikeln überstrapaziert werden: Seit der Gründung Pakistans 1947 hat sich die Bevölkerungszahl von damals 30 Millionen versiebenfacht. Wenn sich in ein paar Jahren Millionen Pakistanern auf die Flucht begeben werden, wird dies nicht wegen der Taliban geschehen. Trinkwassermangel, verseuchte Luft in den Großstädten, Versalzung der Böden, mit Chemikalien gepanschte Lebensmittel und anstatt anständiger staatliche Bildung die Aussicht auf kostenlosen Unterricht in einer Hinterhofreligionsschule. Anstatt einer vernünftigen staatlichen Gesundheitsversorgung verabreichen Hilfsapotheker in Straßenläden bei Kopf-und Magenscherzen, Fieber, Husten und allgemeinem Unwohlsein Antibiotika.

Aber auch wenn Millionen davonrennen werden, werden sich die pakistanischen Generäle noch hinstellen und der Welt erzählen, dass einzig sie das Land vor den Extremisten beschützen können, während sie diese gleichzeitig im Kampf gegen Indien benutzen - wie auch in Afghanistan, denn auch dort geht es hauptsächlich um den Hauptfeind der pakistanischen Generäle: Indien. Und wie auch jetzt wird ihn ein großer Teil unser Medien den Gefallen tun und den "Kampf gegen den Terror" in den Mittelpunkt stellen, weil er sich besser verkaufen lässt als aufwendig etwas wichtiges zu erklären: Es gibt keine muslimischen, hinduistischen oder ungläubigen "Idioten" - es gibt überall nur mehr oder weniger Idioten. Wer glaubt andere mit Druck und Gewalt zu überzeugen, ist ein (gefährlicher) Idiot. Und Ja, auch in Pakistan gibt es Idioten und sie werden mehr, weil mit Millionen von saudischen Dollars eine intolerante, engstirnige Auslegung des Islams gefördert wird, die zum Ziel hat, dass alle Menschen so zu leben haben wie sie.
Nur wenige denkende Menschen haben auf Dauer die Kraft unter den Bedingungen zu leben, wie sie mittlerweile in Pakistan flächendeckend herrschen. Da ist Flucht kein feiger Gedanke, sondern ein menschlicher. Wenn sich nicht einmal die Mehrzahl der Menschen in demokratischen Systemen gegen offensichtliche Ungerechtigkeiten auflehnt, wie kann das dann von Menschen verlangt werden, die unter ständiger Angst vor Militärs und Geheimdiensten leben, die islamische Extremisten benutzen, um Menschenrechtsaktivisten und Journalisten einzuschüchtern und um ihre persönlichen Spielchen zu spielen, während das Land zugrunde geht?

Quelle: "Pakistan"
Wie Deutschland an Kriegen verdient und arabische Diktaturen stärkt (p. by Maria Lourdes)
Weder Luftschläge im Irak und Syrien noch Waffenlieferungen an „strategische Partner“ wie Saudi-Arabien haben bislang dazu beigetragen, den sogenannten IS an den Wurzeln zu bekämpfen. Stattdessen beschert die Aufrüstungswelle in Nahost deutschen Rüstungsfirmen und Konzernen volle Auftragsbücher.

(Unsere Politiker beschwören den Frieden und betreiben den Krieg: Deutschland ist der weltweit drittgrößte Waffenexporteur – und schreckt vor Lieferungen an verbrecherische Regime und Diktatoren nicht zurück. Jürgen Grässlin deckt auf, wer die Profiteure dieser Kriegswirtschaft sind …/https://lupocattivoblog.files.wordpress.com/2017/08/panzer_fuer_saudi-arabien.jpg?w=600&h=390)
Der Journalist Markus Bickel dokumentiert in seinem Buch „Die Profiteure des Terrors“ mit beeindruckenden wie erschütternden Zahlen und Fakten, wer die wahren Profiteure des Rüstungswahnsinns sind, in den alleine 2016 weltweit 1.500 Milliarden US-Dollar investiert wurden. Und er beschreibt den fatalen Teufelskreis von Aufrüstung, Militarisierung und Repression durch die Regime in der Region.
Markus Bickels „Die Profiteure des Terrors“ ist ein Buch, das nichts als Verdruss bereitet, zerstört es doch endgültig die schöne Illusion, die Bundesregierung verfolge weltweit eine Friedenspolitik, setze sich für Demokratie und Menschenrechte ein und – wenn schon mal militärische Gewalt eingesetzt werden muss – dann nur um Gutes und Gerechtes zu erreichen. So ungefähr das Narrativ der bundesdeutschen Außen- und Verteidigungspolitik, wie es von dem ehemaligen SPD-Außenminister Walter Steinmeier, dem ehemaligen SPD-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und der CDU-Ministerin Ursula von der Leyen fast gebetsmühlenartig wiederholt wird.
Wer daran glaubte, der wird sich nach der Lektüre von Bickels Buch verdrießlich fragen, wie er nur so naiv sein konnte, solche Sprüche für bare Münze zu nehmen.
In sachlichem Ton und faktenreich beschreibt der ehemalige Nahost-Korrespondent der FAZ, Markus Bickel, am Beispiel verschiedener Länder der arabischen Welt, dass die Bundesrepublik durch ihre Rüstungsexportpolitik viel tiefer in Krieg und Zerstörung, in menschliches Elend und unkontrollierten Machtverschiebungen verstrickt ist als von der Öffentlichkeit wahrgenommen. „Die profitabelsten Märkte für die deutsche Rüstungsindustrie liegen in Konfliktregionen und Schwellenländern, wo die Freiheitsrechte am geringsten sind und die Gewalt am größten“, schreibt Bickel, und macht dies an Ländern wie Saudi-Arabien, Irak und Ägypten deutlich.
Nach Saudi-Arabien, ein Land, das einen erbarmungslosen Krieg gegen seinen Nachbarn Jemen führt, betrugen die Rüstungsexporte 2015 noch stattliche 270 Millionen Euro, ein Jahr später waren sie schon auf über eine halbe Milliarde Euro gesprungen. Erklärt wird der rasante Anstieg mit dem Export von Patrouillenbooten, die man laut Außenministerium angeblich nur zum Küstenschutz einsetzen könne, die aber, so Bickel, bestens geeignet sind, auch die Küste des Jemen zu blockieren. Leisetreterei gegenüber der saudischen Regierung wirft er Steinmeier vor, weder für den zu zehn Jahren Haft verurteilten Blogger Badawie habe er sich eingesetzt, noch gegen die nun schon zwei Jahre andauernde Bombardierung des Jemen protestiert, geschweige denn Saudi-Arabiens zweifelhafte Rolle im Syrischen Krieg wenigstens einmal benannt.
Immerhin ist das wahhabitische Wüstenreich der wichtigste Ideologielieferant für Terrormilizen und Banden wie Al-Qaida und den sogenannten Islamischen Staat. Das gleiche gilt für Golfländer wie Katar oder die Emirate. Geschäft ginge halt vor.
Genauso leisetreterisch wie gegenüber Saudi-Arabien sei die Bundesregierung auch gegenüber der Türkei aufgetreten, lange Zeit das wichtigste Transit- und Nachschubland für Terrorgruppen wie den Islamischen Staat, schreibt Bickel.
Gefühlt mögen die Kriege in Syrien, dem Irak und im Jemen geographisch weit entfernt sein, tatsächlich aber ist Deutschland in die militärischen Auseinandersetzungen der arabischen Welt tief involviert durch Waffenexporte, durch militärische Ausbildung und Lieferung von militärischer Ausrüstung und Munition, für deren Endverbleib niemand eine verlässliche Garantie abgeben kann. Selbst die einsehbar notwendige Ausbildung der kurdischen Peschmergamilizen gegen den IS durch Bundeswehrsoldaten kann sich in nicht allzu ferner Zeit rächen und gegen Deutschland wenden; dann nämlich, wenn die irakische Zentralregierung beschließt, die Kurden des Nordirak anzugreifen, um ihnen die besetzten Ölfelder um Kirkuk wieder abzunehmen.
Dann schießen Peschmergas mit deutschen Waffen auf mit amerikanischem Militärgerät ausgerüstete irakische Soldaten. Das laute Wehklagen deutscher Regierungspolitiker ist dann sicher, wie auch die klammheimliche Freude der Heckler&Kochs, der ThyssenKrupps, der Diehls oder Manager von Rhein-Metall.
Deutschland also ist Teil nicht nur einer gigantischen Todesindustrie, es spielt inzwischen auch eine aktive Rolle beim Auseinanderbrechen des Nahen Ostens, dessen Ende heute überhaupt noch nicht erkennbar ist.
Bickels Buch mag verdrießlich stimmen, in erster Linie aber klärt es auf über Fehlentwicklungen in der deutschen Außen-, Wirtschafts- und Verteidigungspolitik.

Quelle: "Waffenhandel"

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  • Erstellt von meineHeimat In der Kategorie Allgemein am 09.09.2017 19:19:00 Uhr

    zuletzt bearbeitet: 09.09.2017 19:30
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